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überhaupt nicht in dem Sinne besitzt wie die deutsche." Aber trotzdemvergleicht er diese Zahlen und zieht daraus Schlüsse aus — die Armut derdeutschen Sprache!
Jedoch selbst wenn wir außer diesen wundersamen Stamm- und Wurzcl-wörtern nur Zusammensetzungen hätten, wäre Rümclins „Statistik" hinsällig.Denn wenn man von dem Wortreichtume einer Sprache redet, so ineint mandamit den Reichtum an Begriffen, die durch Wörter ausgedrückt werden können.Air den Begriff aber ist cs einerlei, ob er durch einfache oder zusammengesetzteWörter ausgedrückt wird. „Glühlicht" ist ein zusammengesetztes Wort, aber keinRcensch wird leugnen, daß cs ein neuer Begriff ist, der mit gezählt werden muß;und sicherlich ist das deutsche Wort viel schöner als der wissenschaftliche Ausdruck„Zncandescenzlampe." Sind „Heimweh, Fernsprecher, Radfahrer" deshalb, weilsie Doppelwörter sind, nicht vollwichtige Rkünzen unseres Sprachschatzes? DerVersuch Rümclins, statistisch die Armut unserer Sprache zu erweisen, ist alsvöllig mißlungen zu bezeichnen. Wie cs in Wirklichkeit mit dieser angeblichenArmut steht, wird eine spätere Betrachtung zeigen.
Seine „statistische Riethode" wendet Rümelin auch aus die Fremdwörter selbstan. Gr findet (S. h), daß von den sprachlichen Schutzzöllnern und Freihändlernimmer nur Beispiele von entbehrlichen oder unentbehrlichen Fremdwörtern insFeld geführt werden; damit sei nichts anzusangen. Gr will den Thatbcstandfeststellen durch die Statistik. Zwar verkennt er nicht die Schwierigkeit diesesVerfahrens, zumal man dabei Statistiker und Sprachforscher sein müsse, aber er-geht ans Werk — offenbar nr der Rieinung, beides zu sein. Gr scheidet dieFremdwörter in zwei Hauptklassen, in fremde Wörter und Fremdwörter.Diese zunächst unklare Unterscheidung erläutert er dahin, daß wir unter fremdenWörtern internationale zu verstehen haben und zwar teils Fach- und Uunst-wörter, teils exotische Ausdrücke, d. h. „Dinge und Begriffe aus vergangenenZeiten oder aus der fremdländischen Gegenwart." Gr vergleicht diese mit„Durchreisenden oder Passanten," die anderwärts ihre Heimat haben, odermit durchlaufenden Posten (S. ss), „sie gehen unsere deutsche Sprache gar nichtsan." (S. 6). Diese internationalen Wörter (warum nicht gut deutsch „Welt-wörter"?) bilden nach Rümclins Beobachtung den Hauptbestandteil aller Fremd-wörterbücher, etwa d/^o ihres Umfangs, vielleicht 80 000 von den 90000Wörtern, welche Heyse in seinein Fremdwörterbuchs aufführt. Wir hätten alsonur ;0 000 Wörter als eigentliche Fremdwörter zu betrachten. Diese gleichenden Ginwandcrern oder Ansiedlern. Nur sie kann man „verständiger Weisebei der ganzen Fremdwörterfrage im Auge haben" (S. ^Z). Von diesen istjedoch eine Anzahl entbehrlich oder veraltet. Nach Ausscheidung derselbenbleiben etwa 2000 Fremdwörter übrig, „die eine Sprachlücke auszufüllen scheinen,die jeder Gebildete kennt und kennen muß, die durch ein muttersprachlichesWort zu ersetzen als eine aussichtslose Bemühung anzusehen ist" (S. ^).
Rümelin glaubt mit seiner Unterscheidung „auf diesem Gebiete wenigstens
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