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Dichter im Gegenteil die Herrschaft der Fremdwörter gestürzt hätten, indem siezeigten, welche Fülle des Ausdrucks, welchen Wohllaut die deutsche Sprache insich berge. Übrigens widerspricht sich Aümelin selbst, wenn er S. Z2 aus-einandersetzt, daß die Poesie, wenigstens die wahre und echte, grundsätzlichjedes Fremdwort verschmäht, wenn er hervorhebt, daß in Goethes Iphi-genie kein Fremdwort steht, daß in den anderen Dramen, in Hermann undDorothea, in den Perlen seiner Lyrik, und ebenso in Schillers dramatischenWerken, Balladen und Liedern sich nur ganz selten fremde Ausdrücke vorfinden.Wie der wirkliche Sachverhalt war, hätte er leicht aus seinen eigenen Beobach-tungen schließen können. S. ZH erwähnt er, daß Goethe und Schiller in ihremBriefwechsel, der meist im leichten und fließenden Gesprächsstil gehalten ist, über-raschend viele Fremdwörter gebrauchen. Daraus kann man eben sehen, daß dieAmgangssprache der Gebildeten damals mit Fremdwörtern ganz durchsetzt war;und zwar war dies nicht erst seit kurzer Zeit der Fall, sondern schon vom An-fang des p. Jahrhunderts an. Den Höhepunkt erreichte dieses welsche Treibenum die Witte des ch. Jahrhunderts, also gerade in der Zeit, in welcher unsereKlassiker den Grundstein zu dem stolzen Ausbau unseres neuen Schrifttumslegten. Bon da an geht das Fremdwörterunwesen merkbar zurück, wesentlichdurch das Verdienst eben dieser großen Schriftsteller. Bon alle dem scheintAümelin nichts zu wissen, sondern, nachdem er auseinander gesetzt hat, daß dieSprache der Dichtung von Fremdwörtern frei sei, erklärt er noch einmal, daßdie Ausnahme von mehreren Tausenden fremdsprachiger Wörter „in unlös-barem Zusammenhänge mit dem Aufschwünge unserer Volkssprache zurLlassicität" stehe, daß sie nicht eine Verunreinigung und Entstellung, sonderneine notwendig gewordene Ergänzung und Bereicherung desselbensei (S. Z6)."
Aut dieser höchst befremdlichen Annahme stimmt freilich nicht überein,was er S. 27 als „prineipiellen Einwand gegen die Puristen" geltend macht.Diese „denken von der Sprache eines großen 'Kulturvolkes viel zu niedrig, wennsie glauben, eine solche lasse sich zuerst Tausende von Fremdwörtern durch mensch-liche Thorheit und Willkür ausdrängen und dann ebenso nach willkürlichenAleinungen wieder entreißen. Sie bedarf solcher Eingriffe nicht und duldetsie nicht; sie geht ungehofmeistert ihre eigenen Wege; sie ist vernünftigerals wir alle (!), weil sie für alle zu denken hat (!). Sie ist nicht sothöricht, ein fremdes Wort aufzunehmen und festzuhalten, wenn sie bereits einvöllig gleichbedeutendes besitzt, und wenn dies ausnahmsweise und in zufälligerAnklarheit geschieht (also ist sie doch bisweilen so thöricht I), so wird sie dasselbeentweder wieder ausstoßen oder zu einer Variante mit besonderer Nebenbedeut-ung fortbilden." — Aber wenn die Sprache keine Eingriffe duldet, wenn sieungehofmeistert ihren eigenen Weg geht, wie konnten da unsere KlassikerTausende von Fremdwörtern einführen?
And ist die Behauptung, daß kein Fremdwort an die Stelle eines gleich-bedeutenden deutschen Wortes getreten sei, auch wahr? Er sucht dies an