Druckschrift 
Die Sprachreinigung und ihre Gegner : eine Erwiderung auf die Angriffe von Gildemeister, Grimm, Rümelin und Delbrück ; Festschrift zur Begrüßung der 1. Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins in Dresden am 8. und 9. Oktober 1887
Entstehung
Seite
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Doch nicht genug damit. Um die Unentbehrlichkeit der Fremdwörterdarzuthun, führt er einen Satz ans Rankes Weltgeschichte amLs sei mir er-laubt, eine kurze Notiz über Regionen und Völker hinzuzufügen." Daranknüpft er die Frage, warum Ranke zu Notiz,das im gemeinen Sinne schonkurz genug ist", noch das Beiwortkurz" hinzufüge. Die Antwort lautet:weil er es diesmal nicht im Sinne des französischen notioo, sondern in deindes lateinischen iiotitin anwcndet. Der Begriff der Uürze fehlt hier durchaus.Rolititun rorum besitzt der, der die Dinge kennt und ihr Wesen durchdrungen:hat. Zugleich aber liegt im lateinischen (wie französischen) Gebrauche der Be-griff der Auszählung. Und warum sagt Ranke Regionen? warum nichtLandschaften:, Gegenden, Himmelsstriche, weltgegenden, Bereiche u. s. w.?Region" drückt in der allersarblosesten weise eine:: Teil der Erdoberfläche aus,der etwas Abgeschlossenes repräsentiert ... in Region liegt der Begriff derGrenze: inan tritt in Regionen ein, man verläßt sie (S. 7,02)." wieder höchstwunderbare Behauptungen. Zn den: lateinischen notitm liegt nicht der Begriffder Auszählung, es heißt Bekanntschaft mit etwas, wenn also Ranke sagteine Notiz hinzufügen", so will er nicht dieBekanntschaft" Hinzufügei:, noti-linm rsru»:, wie Grimm meint, sondern eineBemerkung"; er braucht alsoNotiz ü: den: ganz gewöhnlichen Sinne. Ebenso unrichtig ist die Behauptung,inRegion" liege der Begriff der Grenze. Das ist weder bei den: lateinische::rsK'io lisch bei den: deutschen Fremdwort der Fall. Die bekanntenhöherenRegionen", in denen man in glücklichen Stunden schwebt, sind an keine Grenzengebunden; und wein: Spielhagen einmal vonunbegrenzte:: Regionen" spricht,so ist das durchaus nicht falsch.

Der Nutzen der Fremdwörter zeigt sich nach Grimm besonders in den:Schillcr-Goethe'schen Briefwechsel. Aus einem Verzeichnisse, das er sich angelegthat, führt er unter anderen folgende Wörter an: Eoincidieren, Ukorceau,Sourdinc, Avertissement, Lontinuation, Sollicitieren, Sodezza, Aisance, Uloycns,Effort, Negocieren, Deployieren, Face machen, sdresentabel, Extendieren, f?artiziehen, Depotcntionieren" und fügt dazu die Bemerkung:lauter Worte,die man auch heute immer noch gebraucht und die, wo sie zur Anwen-dung kommen, das Gesagte in besonderer Weise verschärfe::." Das schreibtHerman Grimm in: Zahrc f886! Wenn er es in: Zahrc H86 geschriebenhätte, würde man cs vielleicht begreiflich finden können.

An: Schluffe seines Aufsatzes bespricht Grimm den für ihn entsetzlichenGedankender Herstellung eines verbindlichen Reichswörterbuches", ii: welchen:die anständigen unentbehrlichen Fremdwörter von den unanständigen geschiedenwürden, und dasnicht nur den Butlebenden, sondern auch den lisch zu erwarten-den großen Nationalschriststellern als obligatorisches Lrziehungsmaterial*)

*) was heißt obligatorisches Erziehungsmaterial? Erziehungsmaterial ist Stoff,Gegenstand der Erstehung; also wurden z. K. unsere Kinderobligatorisches Erziehungs-Material" für uns sein. Natürlich meint cs Grimm in ganz anderem Sinne man siehtaber auch hier die Klarheit der Fremdwörter!