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Die Sprachreinigung und ihre Gegner : eine Erwiderung auf die Angriffe von Gildemeister, Grimm, Rümelin und Delbrück ; Festschrift zur Begrüßung der 1. Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins in Dresden am 8. und 9. Oktober 1887
Entstehung
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behelfen, hat zu der Erfahrung geführt, daß es recht wohl geht. Alankönnte dreist noch weiter gehen und in organischen Gesetzen auch auf diedeutsche Benennung der Beamten und Behörden hinwirken. Der Staat hatviele überflüssige Verwischungen aus dem Gewissen und die Zeit ist günstigfür Blinderung der alten Schuld er braucht nur zu befehlen." Ganzbesonders rügt er diehohe Schuldenlast, die der Kriegsdienst aufgehäust hat"und spricht den Wunsch aus, daß der deutsche Gfsizierstaud, der in anderen Be-ziehungen eine stolze Zierde des Vaterlandes ist, auch im Punkte der Spracheder Höhe sich etwas inehr nähere." (S. >07).

Alles das sind Zugeständnisse für die Sache der Sprachreinigung, die mannach dem Anfänge seiner Auseinandersetzungen nimmermehr erwartet hätte,und die seinen früheren Behauptungeil voll der Anersetzlichkeit der Fremdwörtergeradezu ins Gesicht schlagen.

Zn dem letzteil Abschnitte wirft er die Frage aus, wie unsere Alu st er undAleister sich der Fremdwortsrage gegenüber verhalten haben.Wenn irgendwoAutoritäten gelteil, so gelteil sie aus diesem Gebiete". Er findet, daß Lessingund Lichtenberg, Kant und Herder, Goethe und Schiller, Schelling und Hum-boldt, Geiltz uild Heine, Schopenhauer und Strauß keine Puristen im SinneLampes waren. Ganz gewiß, aber auch keine Vertreter einer charakterlosenWortmeugerei, obgleich sie zu einer Zeit lebten, wo die öffentliche Aleinung sichlisch nicht gegeil die Fremdwörter erklärt hatte. Lessing wendet sich lange vorLampe mit voller Entschiedenheit gegeil die Einmengung fremder Ausdrückebei Wieland; er hat den trefflicheil Ausspruch gethan:Solche französischenWörter, die alle nicht das geringste mehr sageil, als die deutschen, erwecken auchdem einen Ekel, der nichts weniger als ein Purist ist." Herder greift Klotzheftig all wegen seinerSprachenmischung" (vergl. mein Wörterbuch voll Ver-deutschungen S. Z6) und verlangt in seinen Gedanken über eine Akademie derdeutschen Sprache, daß unsere Sprache ihrem Bau uild inneren Wesen nach sichrein und unvermischt erhalte, daß die Autglieder der Akademie in ihrenSchriften Aluster der Aeinigkeit, Stärke uild jener ungekünstelten Einfachheitseien, die unsere Kation am besteil kleide (Zeitschrift des Allg. D. SprachvereinsBand I. S. tlß)- Und wenn auch Goethe und Schiller ärgerlich waren überden übertriebenen Reinigungseifer Lampes, so erkannten sie doch den berechtigtenKern dieses Strebens thatsächlich an, indem sie in ihren späteren Werkeil weitweinger Fremdwörter anwendeten als vor dem Auftreten Lampes (vergl. KchreinFremdwörterbuch Vorrede S. 5 f. uild namentlich einen vor kurzem in dervoßischen Zeitung erschienenen Aussatz voll Ludw. Bellermann Aus SchillersDichterwcrkstatt). Ferner, wenn Schelling, Schopenhauer und Strauß inihrer Darstellungsweise genießbarer sind als andere Philosophen, liegt das nichtdarin, daß sie mit der althergebrachten, steifleinenen Gelehrtensprache nichtsgemein haben? Außerdem scheint es mir doch, als ob Heine in seinen ernsteilDichtungen, wie jeder echte Dichter, sich von Fremdwörtern völlig freihalte; oderwill etwa Gildemeister die vor kurzem veröffentlichten Lebenserinnerungen Heines,