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Die Sprachreinigung und ihre Gegner : eine Erwiderung auf die Angriffe von Gildemeister, Grimm, Rümelin und Delbrück ; Festschrift zur Begrüßung der 1. Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins in Dresden am 8. und 9. Oktober 1887
Entstehung
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Hierbei kommt er denJuristen" einige Schritte entgegen (S. fOz):Ls scheintmir, daß der Deutsche neben der vorurteilslosen Empfänglichkeit für den aus-ländischen Vildungsstoff eine üble Geschmacksrichtung hat, die vielleicht mitseinein Lerneifer zusammenhängt, die Vorliebe nämlich für den Schall und Klangfremder, vorab romanischer Aungen. Nicht allein der Not gehorchend, sondernauch dein eigeneil Triebe, hat er die ihm angestammte Rede mit lateinischenund französischen Brocken verbrämt, weil er eine kindliche Freude an den klang-vollen und zierlichen, den feierlichen und einschmeichelnden Tönen als solchenhatte, wie er bescheiden zu dem geistigen Gehalt und dem sachlicheil Reichtumder fremdeil Kultur emporschaute, so blickte er bewundernd aus ihr glänzendesKleid. Es erschien ihm stattlicher, vornehmer und geschmackvoller als das Ge-wand der Nluttersprachc. Ria» gebrauchte das fremde Wort nicht bloß da,wo das heimische fehlte, sondern man drängte das eigene in die Ecke, umdas fremde vorführen zu können; schließlich gab es kaum einen Raumim Hause, ein Gerät iu der Stube, ein Stück der Kleidung, ein Ge-richt auf dem Tische, das noch seinen ehrlichen deutschen Namenführte. Diese Verirrung, die am Schluffe des f". Jahrhunderts ihren Höhe-punkt erreicht hatte, kann man wohl erkläreil, aber nicht guthcißen; sie völligzu beseitigen, denn ansehnliche Reste haben sich bis auf unsere Tageerhalten ist ein löbliches Bestreben."

Wehr kann auch ein Sprachreiniger nicht behaupteil. Wcrkwürdigerweiseaber schreibt dies derselbe Alaun, welcher fünf Seiteil vorher uns versichert hat,daß das Fremdwort nicht an die Stelle eines einheimischen rücke, sondernsich an einem Hllatze sestsetze, der bis dahin leer war (S. 98)!

Gildenleister geht nun aus die Thätigkeit der Sprachreiuigungsgesellschaftendes f 7 . Jahrhunderts über, welche anstatt sich auf die Bekämpfung des Fremd-wörterunsugs zu beschränken, den erfolglosen Versuch gemacht hätten, die un-entbehrlichen Fremdwörterdurch unverständliche und meistens schauderhasteDeutschwörter eigener Acache zu verdrängen", ebenso wie später Eampe, derdie systematische, ausnahmslose Vertilgung der Fremdwörter an-strebte" ein thatsächlicher Irrtum, von dem sich Gildenleister durch einenBlick in die Vorrede zu dem Tampe'schen Verdeutschungswörterbuch leicht über-zeugen kann. An einigen Beispielen sucht er null darzuthuu, daß gewisse Fremd-wörter durch deutsche Ersatzwörtcr nicht vollständig gedeckt werden, wie Dramadurch Schauspiel, Tragödie durch Trauerspiel u. a. Aber wenn wirklich inmanchen Verbindungen Drama nicht durch Schallspiel wiedergegeben werdendarf, warum sollen wir das Fremdwort in den übrigeil, weitaus mcisteuFällen gebrauchen?

Din Z. Abschnitte bespricht er die Wirksamkeit des Staates in Bezug ausSprachreiniguug. Der Staat kaun von allen Sprachreiniglmgsunternchmern ambesteil wirken, er braucht mir zu befehlen. Gildenleister erkennt gerne an, daßbereits viel geschehen sei.Das löbliche Bestreben der deutschen Gesetzgeberund mancher Behörden, sich thunlichst mit deutscheil techuischen Ausdrücken zu