„im Gründe ihres Herzens" alle Fremdwörter ausrotten möchten. — Masgiebt ihm das Recht, ihnen dies unterzuschieben?
Er setzt nun auseinander, es sei ein Irrtum zu glauben, das; die Durch-setzung unserer Sprache mit sremden Wörtern eine Eigentümlichkeit Deutschlandssei, in dieser Beziehung folge unsere Sprache nur dem Beispiele andererBölker; allerdings seien wir vielleicht minder sparsam und minder geschmackvollin der Berwendung erborgten Geräts als die übrigen Rationen. Diesen Ge-danken sucht er durch Aufzählung französischer und englischer Fremdwörter klarzu macheu (S. 96—98); er schließt ihn mit den Morten ab: „Die patriotischeEntrüstung ist eine Eigentümlichkeit Deutschlands, die Sache nicht". Mie wenigdies zutrifft, werde ich später Nachweisen.
sszm folgenden wirst er die Frage auf: „Mie kommt denn ein Bolk über-haupt dazu, die Dinge mit Wörtern einer anderen Aunge zu benennen? Seineeigenen sind ihm doch bequemer und verständlicher!" Er giebt die Antwort:„Das fremde Mort rückt nicht an die Stelle eines einheimischen, sondern es setztsich fest an einem Platze, der bis dahin leer war; die sremden Wörterwandern ein mit den sremden Dingen". Bon einem Rumpfe um dasDasein sei nicht die Rede, sie hätten sich festgesetzt, ohne Widerstand zu finden.Erst nachdem sie lange ,?zeit in unserer Butte gewohnt, „ist in patriotischenBereinen und in sinnreicher Abhandlung aus die Reinigung der Sprache eifrigund nachdrücklich hingewirkt worden, aber es hat wenig gefruchtet. And dasist begreiflich genug. Die Ärzte irrten sowohl in der Diagnose als in der Mahlder Heilmittel. Sie hielten, irre geleitet durch ihren Eifer für deutsche Ehreeine durch geschichtliche Entwicklung herbeigesührte Erscheinung an sich fürkrankhaft, während in der Thal nur ein krankhaftes Übermaß in Betracht kam".
Bum sieht aus diesen Sätzen, daß Gildemeister sich über den Begriffder Lehnwörter und entbehrlichen bez. unentbehrlichen Fremdwörter nicht klargeworden ist. jjsst denn der Satz: „Die sremden Wörter wandern ein mit denfremden Dingen" in dieser Allgemeinheit wirklich wahr? Mas für ein fremdesDing war denn z. B. der Mnkel, der im ich. Jahrhundert) sich in die deutscheSprache eindrängte? Mar wirklich bis dahin der H>latz leer gewesen? Bndwie steht es mit den sremden Ausdrücken Tante, Eousine, Eousin, Reveu?Haben die Deutschen nie zu Abend gegessen, ehe das französische Souper ein-geführt wurde, das übrigens aus dem deutschen „Suppe" entlehnt ist. Bnd wieverhält es sich mit Wörtern wie Majorität, Minorität, sdräsident, Semester,brillant, amüsant, superb, deliciös, disponieren, gratulieren, motivieren u. ä. ?Die Fremdwörter, welche mit sremden Dingen zu uns gekommen sind, sind zumallergrößten Teil unentbehrliche Fremdwörter oder Lehnwörter, die kein Sprach-reiniger bekämpft.
B>n dein zweiten Abschnitte führt Gildemeister aus, wie die deutsche Sprachegezwungen gewesen sei, für die in den letzten Jahrhunderten mächtig zu-strömenden ireuen Anschauungen Fremdwörter einzuführen, da der ihr frühereigene Bmbildungs-und Aneignungstrieb seit ^00 fahren erloschen sei. (wirklich?!)