Druckschrift 
Die Sprachreinigung und ihre Gegner : eine Erwiderung auf die Angriffe von Gildemeister, Grimm, Rümelin und Delbrück ; Festschrift zur Begrüßung der 1. Hauptversammlung des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins in Dresden am 8. und 9. Oktober 1887
Entstehung
Seite
10
Einzelbild herunterladen
 

- 1 °

Gebiete auftritt, er sich vorher über den Stand der betreffenden Frage genauunterrichtet. Ls wird sich zeigen, daß gerade dieses Grunderfordernis jederwissenschaftlichen Arbeit bei den genannten vier Dimmern leider nicht vor-handen ist.

Jedenfalls ist es die Pflicht aller Freunde der Sprachreinigung, die Ein-wendungen dieser Gegner, deren Name einen so guten Alang hat, eingehendzu prüfen und sich mit denselben auseinanderznsetzen. Denn nur dann kannjemand mit voller sittlicher Überzeugung für eine Sache eintreten, wenn das,wozu innere Neigung ihn treibt, auch vor dem Richterstuhle nüchterner Vcr-standcsbeurteilung sich als stichhaltig erweist, Zch werde im folgenden den An-halt dieser gegnerischen Kundgebungen sachlich und unparteiisch vorführcn undprüfend beurteilen, und daran eine Besprechung der Gesichtspunkte anreihen,welche die Berechtigung der Bestrebungen des Sprachvereins darthun sollen.

Die drei erstgenannten Gegner haben das gemeinsam, daß sie bei ihrenAngriffen gegen die Sprachreiniger den deutschen Sprachverein selbst nicht nennen.Sie reden im allgemeinen gegen die Sprachreiniger, die Puristen, gegen dieüberhandnehmende Bewegung, gegenVereine", welche diese Bestrebungenfördern, aber sie vermeiden es, den Sprachverein selbst zu erwähnen. Warumsie das gethan haben, entzieht sich meiner Beurteilung, daß sie aber wirklichden Sprachverein meinen, kann keinen: Zweifel unterliegen. Denn es giebtaußer dem Sprachverein keine anderen Bereinigungen, die diese Ziele verfolgen.

Der Aussatz GildemeistersDer Dampf gegen die Fremdwörter" ist derZeit nach der erste, aber auch nach Form und Zuhalt. Er ist vorzüglich ge-schrieben, frisch, sprachgewandt und geistreich, ich möchte fast sagen blendend, sodaß man durch die schöne Form leicht über die DIängel des Zuhalts hinweg-getäuscht werden könnte. Störend wirkt nur der allzuhäufige Gebrauch vonFremdwörtern; noch störender, daß diese an einigen Stellen, wie ich zeigen werde,falsch angewendet sind.

Gildemeister stellt den Grundsatz der gemäßigten Sprachreiniger an dieSpitze seiner Abhandlung: Gebrauche nie ein Fremdwort, wenn du es durchAn gutes deutsches Wort ersetzen kannst! Diese Regel erläutert er dahin:Schreibe wie ein guter Schriftsteller schreiben würde oder wende immer denbesten Ausdruck an, der sich für deinen Gedanken darbietet. Trotzdem kann ersich dengemäßigten Puristen" nicht anschließen, weil in ihnen bei aller Diäßigungdoch ein Gefühl der Feindseligkeit und Abneigung gegen die eingewandertenFremdlinge vorwiegt. Er tadelt an ihnen, daß sie das Vermögen der Spracheüberschätzen und im Grunde ihres perzens meinen, wir könnten, wenn wir nurernstlich wollten, ohne alles Borgen auskommen, und daß sie lehren, das Borgensei an sich verwerflich, eine Versündigung an der nationalen Ehre.

Schon aus diesen Eingangsworten kann man das Widerspruchsvolle derDarlegung Gildcmeisters erkennen: er weiß, daß die jetzigen Sprachreinigerdurchaus maßvolle Ziele verfolgen, trotzdem aber wirst er ihnen vor, daß sie