und Tricq'clcs mit „Zwcirädcrn" und „Dreirädern" vertauscht, wie Vereine beiÄnderung ihrer „Statuten" neue „Satzungen" einführen, aus denen die Fremd-wörter gestrichen sind, wie bei Batlfestlichkeiten nach deutschen Tanzkartengetanzt wird, wie bei Festessen deutsche Speisekarten aufgelegt werden. DieHauptversammlung des Börsenvereins deutscher Buchhändler empfiehlt denBerufsgenossen, entbehrliche Fremdwörter im Geschäftsverkehr des deutschen Buch-handels thunlichst zu vermeiden. Der deutsche Architekten- und s^ngenieur-verein einigt sich, an Stelle der fremden, im Gebrauche teilweise schwankendenAusdrücke: Souterrain, parterre, Eutre-sol, Etage, Acansarde die deutschenWörter „Aellergeschoß, Erdgeschoß, Zwischen- oder Halbgeschoß, Obergeschoß,Dachgeschoß" treten zu lassen. Die deutschen Gastwirte beschließen aus ihremVereinstage, Fremdwörter aus ihrem Gewerbe möglichst zu verbannen.*)Akehrere Lehrerversammlungen treten mit voller Entschiedenheit für dieRechte der deutschen Sprache ein. Der c>. Deutsche Turntag in Loburgempfiehlt allen Vereinsvorständen, Turnwarten und Schriftführern in der Befehls-weise, sowie bei allen Bekanntmachungen und Besprechungen turnerischer Ange-legenheiten, unter Ausschluß der Fremdwörter sich deutscher Ausdrücke zu be-dienen und ersucht die Schriftleitung der deutschen Turnzeitungen, nach A cöglichkeitdarüber zu wacheu, daß iu den Zeitungen Fremdwörter serngchalten werden.Auf der großen, im Frühling dieses Jahres in Dresden abgehaltenen Garten-bau-Ausstellung gab es nicht Passepartouts, sondern „Dauerkarten", nichtDiplome und Akedaillen, sondern „Ehrenzeugnisse" und „H>reismünzen", nichtein Geschäfts-Bureau, sondern ein „Geschäftsamt", statt spoeios, vuriolus. vuriatiohieß es „Hslanzenart, Hfianzenabart, Hfianzenspielart"; Lonserven hießen „ein-gelegte Früchte", Blumen-Arrangements hießen „Blumen-Anordnungen", s)ar-dinivres „Blumenschalen", Bouquets „Blumensträuße", Solitair-Bäume „Einzel-bäume", Allee-Bäume „Straßenbäuine" u. s. w. Auch die Jahresberichte undStundenpläne der Schulen weisen vielfach das Streben nach Sprachreinheit inerfreulicher weise aus.
Ebenso kann man in der Wissenschaft das wehen des neuen Geistesschon mannigfach verspüren. Der maßlose Gebrauch von Fremdwörtern istseltener geworden, es wird mehr Sorgfalt aus schöne Form der Darstellung ver-wendet, und mehr als früher wird Nachlässigkeit in dieser Beziehung bei derBeurteilung wissenschaftlicher Werke gerügt. So hat z. B. Ernst Dümmlerin der vor kurzem erschienenen zweiten Auslage seines ausgezeichneten Werkesüber die Geschichte des Gstfränkischen Reiches, wie er selbst in der Vorrede er-klärt, sich bestrebt, den Stil von allen entbehrlichen Fremdwörtern möglichst zu
*) Zur Unterstützung dieses Bestrebens ist von dem Dresdner Zweigverein des Allgeni.Deutschen Sprachvereins in Verbindung mit dem Dresdner Gastwirtverein mnd dem VereinDresdner Köche ein Schriftchen bearbeitet worden „Verdeutschung der Speisekarte, sowieder hanptzachlichsten in der Küche und im Gastwirtsgewerbe vorkommcndcn entbehrlichen ,saemd-wörter" (Dresden, Albanus'sche Druckerei ^886, PUms 25 j)f.), welches schon weite Verbreitunggefunden hat.