Druckschrift 
2. Theil, Die Geschichte der Glasmalerei Bd. 1 (1898) Die Frühzeit bis zum Jahre 1400
Entstehung
Seite
173
Einzelbild herunterladen
 

Lichtöffnungen getrennt, gleichwertig gegenüber. Fast durchgängig sinddie Bilder des neuen Bundes von frei bewegtem, lebendigem Laubge-winde umrankt, während die Vorgänge aus dem alten Testament aufeinem Flächenmuster von stilisirtem, gewissermassen abgestorbenemBlattwerk aufliegen. Ob hier absichtliche Symbolik, eine sinnbildlicheAnspielung auf den Sieg des neuen Bundes über den alten, vorwaltet,dürfte bei der auffallenden Regelmässigkeit dieser Anordnung nicht un-wahrscheinlich sein; vereinzelte abweichende Beispiele könnten aufspätere Aenderungen zurückgeführt werden.

Dem Alter nach stehen in Deutschland zwei kleine Fenster an derSpitze, welche aus der Prämonstratenserkirche zu Arnstein stammen,ein Stammbaum Jesse und drei Moses-Darstellungen, aus der Zeit um 1230 ').

Ihnen folgen die Fenster von St. Kunibert zu Köln, zu Bückenin Hannover 2 ). Grossartig in der Anlage, geradezu meisterhaft in derErfindung sind die Mittelfenster an letztem Orten. Gleichwerthigdürfte das Mitteltheil des dreifach gekuppelten Chorfensters zu Legdenin Westfalen sein; in dieselbe Zeit gehören ein Fenster zu Marburg,sowie Reste in St. Patroklus zu Soest. Einfacher in der Anlage sinddie Denkmäler zu Heimersheim an der Ahr, zu Oppenheim, inSt. Florin zu Koblenz, zu Gelnhausen, M.-Gladbach , Weissen-burg und im Museum zu Darmstadt, reicher die Reste in Xanten.Die aus Wimpfen am Berg stammenden Medaillons im Schlosse Er-bach (Odenwald) zeigen die Form der Mandorla. Sternformen findensich in der frühem Wilhelmiter-, heutigen Hospitalkirche zu Limburga. d. Lahn; andere Gestaltungen in St. Martha zu Nürnberg, im Domzu Köln, in St. Elisabeth zu Marburg, im Dom zu Re ge 11s bürg,im Münster und in der Wilhelmer-Kirche zu Strassburg i. E., imMünster zu Freiburg i. Br., in den Kirchen von Esslingen,Krakau und anderwärts.

Eigenartig sind die Schifffenster zu Nieder-Hasslach, beidenen sich kleinere Medaillons um ein grosses Hauptbild gruppiren;ferner einzelne Fenster aus dem Südschiff des Strassburger Münsters,an 'welchem architektonische Arkaden die einzelnen Darstellungsreihentrennen; ganz ohne vermittelnde Umrahmung sind die allerdings spätemMedaillonfenster zu Wal bürg i. E.

Neben den kleinen Medaillons mit ihrem farbenprächtigen Klein-mosaik haben sich aus der Frühperiode grössere Formen mit Einzel-figuren und Gruppenbilder erhalten, die man des ornamentalen Rahmen-werks wegen hierher rechnen hönnte: Einzelbilder zu St. Kunibertin Köln, zu Friesach, Klosterneuburg, Steyr (die Figuren aufGrisailgrund) u. andere; Gruppen zu Königsfelden, Rothenburg usw.

‘) Vgl. Zeitschrift für christl. Kunst 1S97. Jahrg. X.

-j Nähere Beschreibungen der Fenster an den betreffenden Orten.

171 !