Druckschrift 
2. Theil, Die Geschichte der Glasmalerei Bd. 1 (1898) Die Frühzeit bis zum Jahre 1400
Entstehung
Seite
24
Einzelbild herunterladen
 

3C«tf

Die durchsichtigen Glasmosaikender Frühzeit.

er eigentlichen Glasmalerei, d. h. der Kunst, ornamentale oderJv figürliche Zeichnungen mittelst einer einbrennbaren Farbe aufweissem oder farbigem Glas anzubringen, gehen die durchscheinendenGlasmosaiken vorher, welche in verschiedenfarbigen Glasstückchen reinornamentale oder vielmehr geometrische Muster bildeten. Diese farbigenFenster, deren einzelne farbige Stückchen in Holz-, Stein- oder Eisen-rahmen eingesetzt waren, Blei wurde zur Verbindung des Glases nochnicht angewandt, waren schon in der altchristlichen Zeit, als sich derSinn für die Kunst zu regen begann, im Gebrauche-und sind wohl fastso alt, wie die Anwendung des Glases zum Schlüsse der Fensteröffnungenüberhaupt. Der Architekt musste bei Zunahme der Fensterfläche aufAusschmückung derselben Bedacht nehmen, um unliebsame, störendeLücken im Gesammtbikle zu vermeiden. Die undurchsichtigen Farben-mosaiken der Wände in den alten christlichen Kirchen wurden in dasdurchscheinende Mosaik der Fenster übersetzt. Daher sind auch mancheEigenthiimlichkeiten der Wandmosaiken in diese übergegangen, vor allemdie Verbindung vieler farbigen Stückchen zu einem Gesammtbikle, alsoder musivische Charakter. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die bisdahin zum Verschluss der Fenster allenthalben gebräuchlichen Teppicheoder Vorhänge gleichfalls die Erfindung und Anwendung der farbigenVerglasung mit angeregt haben.

In der Frühzeit waren, wie dies bereits oben bemerkt wurde, diein den Fensteröffnungen aufgestellten Stein- oder Holzblenden allgemeinmit dünngeschabtem Horn, mit geölter Leinwand, mit Scheiben vonSpat oder mit ganz feinen Marmorplättchen geschlossen; Marienglas,dünne Muschelschalen, Alabaster und ölgetränktes Papier versahen die

24