4
Früheste Nachrichtenüber durchsichtige Glasmosaiken,über Glasfenster.
||m|"ann, an welchem Orte und in welcher Weise zuerst die durchsichtigen^Ögr'.'f: Glasmosaiken, die ersten farblosen und vielfarbigen Glasfensterangebracht wurden, das heute auch nur mit einem Schein von Wahr-scheinlichkeit zu bestimmen, ist unmöglich. Wenn auch die ältestenGlasmosaikfenster aus den fernen altchristlichen Zeiten die Stürme derJahrhunderte aus leicht begreiflichen Gründen nicht überdauert habenund nicht bis auf unsere Zeit gekommen sind, so haben wir dennochglaubwürdige schriftliche Ueberlieferungen in so grosser Zahl, dass dasVorhandensein farbiger Gläser in den altchristlichen Kirchen wohl ausserZweifel gestellt ist. Christliche Schriftsteller und Dichter des vierten,fünften und sechsten Jahrhunderts erzählen mit freudigem Staunen undin heller Begeisterung von dem wundervollen Kindruck farbiger Kirchen-fenster. In Rom und in Lyon, überhaupt in mehrern Städten Gallien’s,so in Roitiers und Tours, scheinen im fünften Jahrhundert die Kirchenschon eine ausgebildete Mosaik-Verglasung besessen zu haben.
Lucius Coelius Firmianus Lactantius (f um 330), seit 308 Lehrerund Erzieher des Crispus, des Sohnes Konstantins, wegen des formvoll-endeten Stils seiner Schriften der christliche Cicero genannt, ist deierste Schriftsteller, der uns von Glasfenstern berichtet, indem er dieAugen des Menschen mit gläsernen Fenstern vergleicht: „Der Ver-
stand nimmt die Gegenstände der Aussenwelt durch die Augen desKörpers wahr, wie durch Fenster, welche mit Glas versehen sind“ ').
') Lactantius, De opificio Dei, cap. VII. Verius et inanifestius est menlemesse, quae per oculos ea, quae sunt opposita, transspiciat quasi per fenestraslucen le vitro aut speculari lapide obductas.