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2. Theil, Die Geschichte der Glasmalerei Bd. 1 (1898) Die Frühzeit bis zum Jahre 1400
Entstehung
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Die figürlichen Darstellungen sind im richtigen Verhältniss zumRaum gehalten. Die Hintergründe sind vorzugsweise blau, kommenjedoch in allen andern Farben vor; sie sind entweder blank oder mitDamast bedeckt, letzterer bald in feiner Ciselirung, bald in schweren,abgesetzten Blattformen; nur selten besteht der Hintergrund aus mehr-farbiger Musterung oder aus Grisail.

Bildet frei bewegtes Ranken- und Blattgewinde den äussern Teppich,so vereinigen sich die einzelnen Zweige und Stengel zu geschmackvollenVerschlingungen, welche die Einfassung der Medaillons nochmals um-schliessen und untereinander verbinden.

Die zwischen den Hauptmedaillons frei bleibenden Zwickel sindmit hellem, auf farbigem Grunde vertheilten Laubwerk bedeckt, wobeidie Ranken sich nicht selten zu kleinern Medaillons aufrollen, aus denenBrustbilder oder Köpfe von Propheten hervorlugen; beschriftete Spruch-bänder weisen auf die betreffenden Bibelstellen hin. Häufig bieten diefrei bleibenden Zwischenräume kleinen Rund- oder Halbmedaillons Raum,welche, zuweilen in die Bordüren hinübergreifend und diese vortheilhaftunterbrechend, Engel, Propheten und Heilige einschliessen; diesen Einzel-gestalten sind in der Regel Bandrollen mit erklärender Inschrift beigegeben.

Vereinzelt sind die Zwickel durch rein geometrische Figuren aus-gefüllt (Gelnhausen).

Bei vielfarbigen Flächenmustern füllt der Teppich die Zwischenräume,oder stilisirtes Blattwerk, in Rosetten oder Pässen eingefasst, belebt dieübrig bleibenden Ecken. Beispiele zu Oppenheim, Weissenburg,Wimpfen, M.-Gladbach, Darmstadt (Museum) und anderwärts.

Besondere Musterung des Teppichgrundes zeigen Felder im Domzu Halberstadt und das mittlere Chorfenster zu St. Jakob in Rothen-burg o. d. Tauber, letzteres besonders farbenprächtig.

So mannigfaltig die Form, so verschiedenartig die Umrahmungender Medaillons sind, ebenso vielseitig ist ihr Inhalt. Einzelfiguren inkleinem Massstabe, Patriarchen und Propheten, Heilige und Märtyrer,Fürstenbilder und allegorische Gestalten wechseln mit klein gehaltenenGruppendarstellungen, welche uns eine Reihenfolge von biblischen Vor-gängen, zumal aus der Lebens- und Leidensgeschichte des Erlösers,vor Augen führen, wie aus der Legende der Heiligen und Märtyrer,sowie Allegorien aus dem gesammten Gebiete der Theologie und derdamaligen Wissenschaft.

Bekanntermassen werden die Begebenheiten aus dem Leben desHeilandes meist von alttestamentlichen Vorbildern begleitet. Währendletztere an französischen und englischen Fenstern, z. B. zu Canterbury,sich unmittelbar an die Hauptmedaillöns ansetzen, diese zu Vierpässenergänzend, oder jene als kleine Medaillons begleiten, stehen dieselbensich in deutschen Werken, durch den Steinpfosten der friihgothischen