Grosse Standfiguren und Gruppenbilder inarchitektonischer Umrahmung.
Die ältesten erhaltenen Standfiguren grossen Massstabes schmückenfünf Oberfenster im Dom zu Augsburg; sie stehen auf hellemGrunde ohne jedwede Umrahmung. Einzig in seiner Art ist die einganzes Fenster einnehmende Riesenfigur des hl. Christophorus im Strass-burger Münster. Ausser den bereits früher genannten, von anmuthigenOrnamentumrahmungen eingefassten Einzelfiguren erwähnen wir diegrossen Königsbilder und Heiligengestalten zu Strassburg und Mar-burg. Irrig ist demnach die Mittheilung verschiedener Schriftsteller,laut welcher grosse Figuren in der Frühperiode nur äusserst selten Vor-kommen sollen.
In den romanischen Fenstern Deutschlands treten neben denornamentalen Einfassungen architektonische Umrahmungen oderUeberdachungen nur vereinzelt und bloss andeutungsweise auf. EinfacheRundbogenarkaden treffen wir an den romanischen Resten zu Helmstedt,in den Fenstern zu Bücken und Strassburg, winzige Baldachine zuHeimersheim und Marburg. Es sind ängstliche Versuche, wie siebereits innerhalb der kleinen Medaillons als nebensächliches Beiwerkauftreten; erst allmälig verbinden sich, vornehmlich in Frankreich,Mauern, Dächer, Thiirmchen, Giebel und Kuppeln zu burgartigen Auf-bauten. Charakteristische Beispiele letzterer Art sind in Deutschlandnicht erhalten geblieben.
Mit dem Ende des 13. Jahrhunderts wird das romanische Dächer-werk durch die Formen der gothischen Baukunst verdrängt, aber auchim Anfänge des 14. stehen die alten und neuen Formen zuweilen nochhart nebeneinander, z. B. in der mittleren Chorkapelle des KölnerDomes. Mehr und mehr bürgern sich in den Fenstern die Nach-ahmungen der gothischen Architektur ein, anfangs in bescheidener Ent-faltung, in mässiger Höhenentwickelung. Auf dünnen, den Fries be-gleitenden oder ihn ersetzenden Säulclien baut sich ein niedriger, glatteroder auch auf dem First mit Laubwerk besetzter Giebel auf, der, vonzwei kleinen Thiirmchen flankirt, sich über einfachem Rund- oder Pass-bogen erhebt. Den untern Theil bildet eine schmale Querleiste. DieFiguren stehen entweder mit ihren nach abwärts gerichteten Füssen aufdieser Leiste oder auf einer Unterlage von Grund oder Rasen.
Bei reicherer Entfaltung bildet der architektonische Aufbau imUntertheil des Fensters Arkaden, Nischen und Hallen, welche entwedermit einem Teppichmuster ausgefüllt sind, oder stilisirte Pflanzen undBlumen, Symbole und Embleme, Wappen und Inschriften aufnehmen.Nicht selten werden diese Sockelfelder durch kleine Figuren- oderGruppendarstellungen ausgefüllt. Propheten, alttestamentliche Vorbilder
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