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2. Theil, Die Geschichte der Glasmalerei Bd. 1 (1898) Die Frühzeit bis zum Jahre 1400
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Den lehrhaften Charakter der Glasmalerei zeigen in ausgeprägterWeise die

Medaillon- oder Legendenfenster,

jene farbensprühenden Vorläufer der spätem Biblia pauperum. Mit derReichhaltigkeit des geistigen Inhaltes verbinden sie hervorragende deko-rative Eigenschaften, während sie gleichzeitig bei der Kleinheit derFormen so recht den Mosaik-Charakter der Glasmalerei zu Tage tretenlassen. Derartige Vorzüge mussten dieser Art der Fensterverglasungdurch alle Perioden der mittelalterlichen Kunst hindurch einen gewissenVorrang sichern, wobei sich die allgemeine Anordnung sowie die Zeich-nung der Einzelheiten selbstverständlich den wechselnden Stilgesetzenanpassten.

Die ältesten Legendenfenster stehen in französischen Kirchen. Der merk-würdigen Raumeintheilung wegen verdienen besondere Erwähnung ausser dem bereitsangeführten Kreuzigungsfenster zu Poitiers die medaillonartigen Bildungen im Fensterder hh. Gervasius und Protasius zu Le Mans, ferner der untere Theil von „LaBelle Verriere“ zu Chartres, sowie ein Fenster zu Chalons. Bemerkenswerthund seiner Anlage nach vielleicht hierher gehörig ist die Geschichte der h. Radegundiszu Poitiers; hier sind säinmtliche Figuren der Handlung unvermittelt in Grisail-Grund eingesetzt 1 ).

Die englischen Legendenfenster verrathen, so weit man sie nicht auf fran-zösische Herkunft zurückftihren kann, eine starke Anlehnung an die Vorbilder fran-zösischer Werkstätten oder französischer Künstler.

Die Medaillonfenster deutschen Ursprungs zeichnen sich gleich-falls durch staunenswerthe Mannigfaltigkeit in Raumeintheilung undErfindung aus, während sie bezüglich der Farbengebung den gleich-alterigen ausländischen Meisterwerken nicht im mindesten nachstehen.

In gleicher Weise wie bei den Teppichfenstern, begleiten bei denMedaillonfenstern Randstreifen und farbige Friese die gesammte Fläche,auf deren Teppichfeldern die vielgestaltigen Medaillons aufliegen, inKreis- oder Passform, in Gestalt der Raute oder der Mandorla, häufigreich gegliedert aus Theilen des Kreises und des Vierecks, deren viel-seitige Abwechselung eine ausserordentlich reiche Erfindungsgabe deralten Glasmaler bekundet.

Bald zierlich, bald kräftig bemusterte Bänder, welche nicht seltenerklärende Inschriften tragen (Klosterneuburg, Esslingen, Gars), oft auchvielfarbige Laubwerk-Friese oder ein Kranz aneinandergereihter beziehungs-weise ineinandergeschobener, streng stilisirter Blätter bilden die Ein-fassungen der einzelnen Medaillons; vielfach ist dieses ornamentaleRahmenwerk durch kunstvolle Bandverschlingungen unter einander ver-bunden. Die grossen Medaillons im mittlern Chorfenster des Augs-burger Domes sind von einem vollständigen Engelreigen umgeben.

>) Vgl. Cahier et Martin, Hucher, Lasteyrie, Langlois, Annales archeol. etc.

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