Den blinden Schwärmern für die Erhaltung jeglicher „Patina“, alsoauch des störenden Schmutzes, möchten wir das zu bedenken geben,was Viollet-le-Duc') den Anhängern der künstlichen Patina vorwirft,nämlich, dass solche Idee nur im Kopfe derjenigen Liebhaber ent-springen kann, welche mehr für die Patina, als für den Gegenstandselbst eingenommen sind.
Bei der Reinigung muss mit grösster Vorsicht und mit weiserMässigung zu Werke gegangen werden. Man darf nicht den ganzenUeberzug entfernen, sondern man muss sich auf das zur Erzielung guterLicht- und Farbenwirkung Nothwendige beschränken; die Gläser sollennicht klar und durchsichtig werden. Pis ist rathsam, mit einem wenigerwichtigen Stück Versuche anzustellen.
Manchmal gelingt die Reinigung durch blosses Abspiilen mit reinemWasser, welches zur Entfernung der Luft und der Kohlensäure vorheraufgekocht werden mag, oder durch Abwaschen mit einem Schwammoder mit einem weichen Leder; ist dieses Verfahren'erfolglos, geht manzu einer neutralen Seifenlösung über, nöthigenfalls unter Anwendungvon heissem Wasser und einer harten Bürste. Bei einzelnen Stückenmuss man sogar zu verdünnten Säuren oder leichten Laugen, bei Auf-lagerung fettiger Substanzen zu Spiritus greifen. Alle diese Mittelmüssen durch fleissiges Nachspülen von reinem Wasser gründlich entferntwerden. Ist hier schon grosse Behutsamkeit und Vorsicht geboten, soist dies in erhöhtem Masse der Fall bei der Anwendung von Bimsstein,von Sand, sowie von harten, spitzigen und scharfen InstrumentenZustark nachgedunkelte, oxydirte Stücke, deren Farben überhaupt nichtmehr zur Geltung kommen, müssen ausgewechselt werden.
Im engsten Zusammenhang mit der Reinigung steht die Wieder-herstellung alter Glasgemälde. Vor allem muss man darauf bedachtsein, das Alte zu erhalten und nur das unumgänglich Nothwendige imSinne und in der Technik der Zeit zu ergänzen. Nur Restaurationund keine Renovation! Das Neue muss sich dem Alten anpassenund nicht umgekehrt: „.Diejenige Restauration ist als die vollkommenstezu bezeichnen, die bei Verbesserung aller wesentlichen Schäden dochnicht als Erneuerung in die Erscheinung tritt“ * * 3 ).
Die Fenster sind, wenn irgend möglich, vor der Herausnahmean Ort und Stelle, sonst sofort nach derselben in möglichst grossemMassstabe photographisch aufzunehmen; diese Bilder sind einerseits ein
') A. a. O. IX, S. 394.
") Andere empfehlen längeres Bad in schwachen Säuren und dünnen Laugen ;auch Seifenabwaschung sowie nachfolgende Abreibung mit Nitrobenzin soll erfolgreichsein. Illustrirte Welt 1883, No. 49, 587.
3 ) Die Denkmalpflege in der Rheinprovinz, Dr. I’. CI einen, 1896, S. 6.
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