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2. Theil, Die Geschichte der Glasmalerei Bd. 1 (1898) Die Frühzeit bis zum Jahre 1400
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einheitlichere, wärmere Wirkung zu verleihen vermag. Wie die Zeit unddie Einwirkung des Lichtes über Möbelstoffe, Teppiche und Tapeten einenausgleichenden Hauch ausbreitet, ihnen gewissermassen die Luft derWerkstätte benimmt, so wächst auch die "Wirkung der Glasmalereien mitsteigendem Alter. Manche grell-bunten Farbenfenster verdanken derPatina eine leidliche Stimmung; schreiende Misstöne werden durch dieleichte Schmutzschicht gedämpft, schlechtpassende Zusammenstellungengemildert. Ist der Anflug, das Kieselsäurehäutchen noch zart, und istdie aufgelagerte Staub- und Schmutzschicht noch dünn, so dass genügendLichtstrahlen durchfallen können,dann erscheinen Bild und Farben injenem milden Ton und sanfter Beleuchtung, die dem Auge so wohlthätigund für das Gemiith so erquickend ist. Dieser Ueberzug, der alsdeckende Glasur die tieferliegenden Glasschichten lange Zeit vor derferneren Einwirkung der Athmosphärilien schützt, hat in Verbindungmit den im alten Glase ungleichmässig vertheilten unreinen Bestand-theilen, welche diesem bei der Herstellung und beim Brennen bei-gemischt werden, die versöhnende Wirkung dertrüben Medien.Diese geben bekanntlich in der Natur zu den grossartigsten und zartestenErscheinungen Veranlassung; in ihren Bereich gehören die Morgen- unddie Abendröthe, das Alpenglühen, die Röthe der Sonne an einem Nebel-morgen und die des aufgehenden Vollmondes ').

Bei tieferem Eindringen des Verwitterungsprozesses in das Glasverdichtet sich die Patina-Schicht immer mehr und vermischt sichmit dem Schmutz, Staub und Rost zu einer dicken Kruste, das aufge-tragene Schwarzloth erscheint weiss angelaufen. Nur noch starkeLichtstrahlen, und selbst diese nur spärlich, vermögen die Gläser zudurchdringen; die gesättigten Farbentöne verdunkeln sich und fallenals schwarze Lappen heraus; die helleren folgen langsam nach; dieFenster erhalten ein trübes, unansehnliches Aussehen; der Schmutzbenimmt den Gläsern Glanz und Kraft, bis zuletzt die ganze Schönheitder Darstellung und die zauberhafte Pracht des Farbenspiels ver-schwindet. Der Hauptzweck der Fenster, Licht herein zu lassen, istgänzlich vereitelt.

In solchen Fällen muss verständige Einsicht und ästhetischerGeschmack unabweisbar Aenderung verlangen. Die Lichtöffnungen einerKirche sollen nicht zur Aufbewahrung von lediglich archäologischinteressanten Glasscherben dienen. Reini gung ist unter allen Umständengeboten. Kann oder will man diese nicht ausführen, so möge man diealten Arbeiten, wie man dies vor Jahren vereinzelt zu Freiburg im Br.versucht hat, durch genaue Kopien ersetzen und die ursprünglichen,undurchsichtig gewordenen Glasfüllungen an sicherer Stelle aufbewahren.

*) Vgl. Brücke a. a. S. 104 u. f.

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