an alten Fenstern verschiedener Perioden, u. a. von Nassau undE h r e n s t e i n. Das Pulver lieferte ausser den genannten Bestandtheileneine grössere Menge von Eisen, auch noch Blei und Spuren vonKupfer.
Die Verwitterungserscheinungen werden durch die Feuchtigkeitder Luft bedingt, welche unter Zutritt von Kohlensäure zersetzendauf die im Glase enthaltenen kieselsauren Verbindungen einwirkt; sieverursacht eine tief eingreifende Veränderung der Glasoberfläche, indemsie das lösliche Kali und Natron auszieht und auf der Oberfläche diemit letzteren verbunden gewesene Kieselsäure nebst wenigen schwerlöslichen Erden und Metall-Oxyden als verhärtete Schicht zurücklässt.Die Kohlensäure der Luft wirkt übrigens nicht unmittelbar auf das Glasein, sondern nur auf die alkalischen, durch die Verwitterung auf demGlase erzeugten Zersetzungsprodukte. Die Zersetzung, ein Quellungs-vorgang, geht langsamer oder schneller vor sich, je nach der Beschaffenheitdes Glases '), und je nachdem mehr oder weniger Kohlensäure vorhandenund zugleich thätig ist; daher das baldige Blindwerden der Gläser aufMistbeeten, noch mehr in der Nähe von Ställen. Nach Osten undSüden gelegene Fenster werden schneller angegriffen, als die nördlichen,wohl eine Folge der höheren Wärme- und Lichtwirkung. Oft schützenaufgetragene Konturen das Glas, manchmal ist die Oberfläche geradeim Verlauf der Zeichnung abgesprungen und ausgefressen.
Nach Weigle besteht der dicke Ueberzug auf den Gläsern vonSt. Sebald zu Nürnberg aus Calciumsulfat, welches durch langjährigeEinwirkung von schwefliger Säure auf das ziemlich kalkhaltige Glas zuStande gekommen war. Hier haben sich demnach die von feuchtenNiederschlägen gelösten Alkalien mit Säuren der Luft zu einem Salzverbunden.
Andere fanden im Ueberzug schwefelsaure und kohlensaure Kalk-verbindungen, Natriumchlorür, ein Kalksalz mit organischer Säure,ausserdem fettige, eisenhaltige und kohlenstoffreiche Bestandtheile, sandigeKieselerde, auf der Innenseite Reste von Glaserkitt und Niederschlägevon Weihrauch. (?)
Wirkung der Patina. — Glückliche Farbenwahl bedarf keinerHülfsmittel. Geschmackvolle Auswahl und geschickt abgewogene Grup-pirung der sorgfältig abgestimmten Farbengläser bedürfen keines ver-bindenden Mitteltones. Gleichwohl kann nicht bestritten werden, dassein leichter, massiger Ueberzug selbst gut gestimmten Fenstern eine
') Das Glas ist um so strengflüssiger und widersteht dem Wasser und derKohlensäure um so besser, je mehr Kieselsäure es enthält; es ist um so leichter zuschmelzen und durch Säure und Wasser anzugreifen, je mehr Kali, Natron, Baryt,Kalk, besonders aber Bleioxyd in ihm vorwaltet. Je glatter das Glas, desto wenigerAngriffspunkte bietet es äusseren Einwirkungen dar.
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