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2. Theil, Die Geschichte der Glasmalerei Bd. 1 (1898) Die Frühzeit bis zum Jahre 1400
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Treu dem vornehmsten Grundsätze der Farbenwirkung, brachteder Glasmaler bei den gemalten Architekturen diese keineswegs innatürlichen Tönen zur Ausführung, sondern er verwandte alle ihm zuGebote stehenden Farben, vorzugsweise Gelb und ,,Weiss, durch welcheGold und Silber dargestellt werden sollten, während Nischen, Dächer,Giebel, Fenster, Kapitale und sonstige Einzelheiten verschiedenartigeFärbung aufweisen.

Rhythmische Verschiebung ausgedehnter Farbenflächen ineinzelnen Fenstern, besonders der frühgothischen Epoche, bieten wirkungs-volle Abwechselung. Bald wechselt der Glasmaler mit den Flinter-gründen, bald vertauscht oder verschiebt er die Farben einzelner gleich-massig wiederkehrender Formen in den Teppichmustern. Er erreichtdurch dieses einfache Verfahren überraschende Wirkungen und machtdurch seine Farbenfreudigkeit die Naivetät der Formen vergessen. Farben-wirkung ist sein Hauptziel, erfreuen doch die lichtglühenden Glasfensterden entzückten Beschauer schon aus weiter Ferne durch ihren zaube-rischen Farbenschmelz, ehe überhaupt die Eintheilung und Anordnung,geschweige denn Einzelheiten erkennbar sind.

Der besonders in Frankreich beliebte dunkelblaue Hintergrunddes 12. Jahrhunderts musste im 13. einem feurigen Roth weichen.Nebenbei bemerkt, finden wir in vielen französischen Werken das Blauund Roth nicht genügend durch zwischengefügte helle Töne belebt oderin ihrer Flächenausdehnung, Werthigkeit und Leuchtkraft nicht vorsichtiggenug abgewogen; daher der kalte, violette Gesammtton, den manchedieser Arbeiten tragen. Im Gegensatz hierzu zeigen die deutschenGlasgemälde dieser Zeitperiode einen wärmeren Hauch. Ein schönes,gebrochenes Grün von angenehm weichem Ton, ein frisches Gelb unddas getonte ,,Weiss der alten Farbenfenster verleiht diesen in Verbin-dung mit dem in mässigen Verhältnissen angebrachten Roth und Blaueine frische, lebhafte und doch wieder in sich ruhige, harmonischeGesammtstimmung. Prächtige Denkmäler dieser Art bewahren St. Kuni :bert in Köln, Heimersheim an der Ahr, Bücken in Hannover,Legden in Westfalen und das Strassburger Münster, dessen alteFenster allein dieser Farbenwahl wegen nicht aus den alten französischenWerkstätten stammen können. Die Prachtfenster von St. Kunibert findenallseitig unbeschränktes Lob). Selbstverständlich hütete der alte Gl'as-

*) Essai hist, et descr. sur la peinture sur verre etc. par C. M. L a n g 1 o i sRouen 1S32. Seite 171 : ,,M. Ludovic Vitet, dans im des numeros du Globe (lundi,7 Juin 1830), parlait de la splendeur des verrieres de leglise de Saint Cunibert deCologne: sT.es fenetres de labside, dit ce jeune et savant ecrivain, sont garnies demagnifiques vitraux, sur lesquels la vie du saint est representee. Ces vitraux les plusanciens de Cologne peuvent etre du XIII. siede; le rouge et sur t out le verty dom in ent, ce qui est fort rare. Au soleil levant, cette absidesemble etinceler demeraudes.

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