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2. Theil, Die Geschichte der Glasmalerei Bd. 1 (1898) Die Frühzeit bis zum Jahre 1400
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bekanntermassen eigentlich ein leichtes Grünlich oder Gelblich, in Verbin-dung mit Grün oder Violett die Stimmung vollenden half. SorgfältigeAnordnung und feine Abwägung der Farben nach dem Grade ihrerStärke, Sättigung und Helligkeit waren die ersten Grundsätze des tüchtigenalten Glasmalers. Zur Erzielung harmonischer Gesammtwirkung ver-zichtete er auf Naturwahrheit und folgte einzig und allein seinem richtigenFarbensinn und guten Geschmack. Reichliche Erfahrung machte ihnmit den Eigenschaften und Besonderheiten der einzelnen Farben vertrautund erleichterte ihm die praktischen Versuche.

In den alten Farbenfenstern stehen rothe und blaue Bäume, violetteoder grüne Thiere, kurz, Gegenstände aller Art in dem Ton, der demKünstler für die Gesammtwirkung gerade passte. Desgleichen sind im Laub-ornament der Bordüren und Teppichmuster an Blättern, Stengeln undFrüchten die verschiedensten Farben vertreten. Die Heiligenscheine sindroth, blau, gelb, grün oder violett, häufig von einem andersfarbigen Streifeneingefasst. Flntsprechend der Farbenwahl in den Miniaturen scheut derGlaskünstler sich nicht, farbiges, mit Vorliebe blaues oder gelbes, Haupt-und Barthaar einzubleien. Das Haar des Fridericus im StrassburgerMünster strahlt in hellpurpurner Farbe, während ein Apostelkopf in derKatharinenkapelle daselbst kräftig roth gefärbt erscheint. In denromanischen Glasfenstern zu Bücken in Hannover ist ein Engel ganzaus rothem Glase geschnitten. Rothe Köpfe gehören überhaupt nichtzu den Seltenheiten und können vielfach beobachtet werden, so nochin den friihgothischen Glasgemälden zu St. Florin in Koblenz. Rothsind Kopf und Hände des Elias im feurigen Wagen auf einem Glas-gemälde zu Nassau aus der Mitte des 14. Jahrhunderts), hier aller-dings dem Inhalt der Darstellung angepasst. Wie weniges den Künstlernder Frühzeit auf Naturwahrheit ankam, mag man aus dem FlvangeliarHeinrichs des III. in der Stadtbibliothek zu Bremen ersehen, in welchemHeinrich der Schwarze einmal schwarzes, an anderer Stelle rothes Haarträgt.

Fleischtheile wurden manchmal durch übertrieben fleischfarbiges,oft braunrothes oder blassviolettes Glas gegeben, vielfach auch durchgrünliche oder gelbliche Töne. Ob wir für die unnatürliche brauneund rothe Fleischfarbe den zerstörenden Flinfluss der Zeit verantwortlichzu machen haben, wie bei der ähnlichen Erscheinung in den Miniaturenund auf den Wandmalereien, wurde bereits oben in Frage gestellt.Dunkles Braunviolett vertrat die Stelle des Schwarz.

') Auffallend ist ein Kopf des h. Stephan aus dem Jahre 1524, der zur Dar-stellung der Wunden aus gestreiftem rothem Glase angefertigt sein soll. Abbildungbei M. A r m and, Voyage areheolog. et pittoresque dans le departement de lAubeet dans lancien diocese de Troyes S. 228.

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