Und doch schreibt noch in den fünfziger Jahren ein auf demGebiet der Glasmalerei anerkannter Schriftsteller von jenen kleinenrunden Scheibchen, „die wir etwa nur in alten Kammerfenstern nochund in Kirchen sehen und da noch dulden mögen“.
Das ge wohnliche alte Fensterglas wurde nur in kleinen Stückchenvon ungleicher Form hergestellt, und von diesen konnte man nicht allesgebrauchen, sondern musste manches ausscheiden; es ist von unregel-mässiger Dicke, oft von beträchtlicher Stärke und hat meist einen warmen,gelblichgrünen Ton; rein weisse Stücke sind selten. Dieses nicht einmalfarblose Glas dürfte demnach kaum die Bezeichnung weiss verdienen.Im 14. Jahrhundert werden die Stücke grösser und dünner. Die Ober-flächen der Gläser sind unter sich nicht gleichlaufend, dabei obendreinungleich, w r ellig, runzelig und uneben, voll von kleinen und grossenBlasen und Warzen; scharfkantige faltenartige Leistchen überfurchen dieFlächen und vermehren die Rauhigkeit derselben. Bei der mangel-haften Einrichtung der Oefen fand nicht immer eine vollkommene Ver-schmelzung aller Bestandteile statt, so dass zuweilen einzelne Theilchensich unaufgelöst in der Glasmasse fanden. Auch das farbige Glasjener Zeiten besitzt, wie das flaschengrüne, halbweisse die zufälligen Vorzügewelliger, unebener Oberflächen und eines hiermit verbundenen hohenMetallglanzes. Vielfach haben beide Oberflächen bei den noch vor-handenen Gläsern den Glanz verloren, oft sind sie mit einer irisirendenSchicht bedeckt, oder die atmosphärischen Einflüsse haben zahlreichesiebartige Löcher hervorgebracht, während wieder andere blank gebliebensind, als wären sie eben erst der Hütte entnommen. Die Glaskünstlerjener früheren Jahrhunderte verfügten anfangs nur über rothes, blaues,gelbes, grünes, violettes und flaschengrünes Fensterglas, allerdings inverschiedenen Abtönungen; die Fleischtheile der Figuren wurden durchhellrothes, grünliches oder gelbliches Glas wiedergegeben. Da die An-wendung des 1 iiamanten zum Glasschneiden noch nicht verbreitet war,sondern nur das Spreng- und das Kröseleisen zum Zertheilen des Glasesbenutzt wurden, findet man die künstlichen Bruchränder des altenFensterglases stets unregelmässig bearbeitet, wie abgenagt, im Gegensatzzu den glatten, scharfkantigen Diamantschnittflächen der spätem Gläser.Dieser muschelige Kröselbruch ist charakteristisch für alte Glasscherben.Im allgemeinen suchten die Alten komplizirten Glasschnitt zu ver-meiden, wenngleich einzelne Künsteleien uns an alten Glasfensternbegegnen. Gleichartige Stücke, z. B. Blätter in Teppichen, waren nichtetwa nach der Schablone geschnitten, sondern alle ungleich, wahrschein-lich nach einem unregelmässig, flott gezeichneten Bleiriss.
Das farbige Glas der frühen Periode, das sogenannte Hütten-glas, war in seiner ganzen Masse gefärbt, von tiefem harbenton, abermeist in sich harmonisch. Die unreinen Bestandteile des Gemenges
Oidtmano, Glasmalerei II.
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