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2. Theil, Die Geschichte der Glasmalerei Bd. 1 (1898) Die Frühzeit bis zum Jahre 1400
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gaben der Farbe eine gewisse Wärme des Tones. Die Färbung wurde,wie auch heute noch, durch Metalloxyde bewirkt, welche sich mit derKieselerde bei der Schmelztemperatur zu Silikaten verbinden und demGlase die ihrem Oxydationszustande eigene Farbe mittheilen-, so entstehtRoth durch Kupferoxydul, Gelb durch Antimon, Blau durch Kupferoder Kobalt '), Violett durch Mangan usw., wobei noch zu bemerkenist, dass die verschiedene Dauer der Hitze und die Dicke der Glastafelvon Einfluss auf die Färbung ist. In Folge der mangelhaften Her-stellungsweise konnte es nicht ausbleiben, dass den Alten eine grosseZahl von Abstufungen und Abtönungen einzelner Farben zu Gebotestand. Schon Heraclius und Theophilus berichten uns, dass der Zufallin der Herstellung des Glases manche unbeabsichtigte Töne liefere.Allerdings verfügten die Alten nicht über eine unbegrenzte Masse ver-schiedenartiger Töne. Das würde auch ein harmonisches Zusammen-stimmen erschwert haben, wohl aber standen ihnen unzählige feine Ab-stufungen der einzelnen Farben zur Verfügung, die sie stimmungsvollauszunützen verstanden, wobei sie sorgfältig die Flächenausdehnung unddie Stärke der einzelnen Töne gegeneinander abwogen. Die hier aus-gesprochene Ansicht wird bestätigt durch Westlake * 2 ):Manchmal wirddie Bemerkung gemacht, dass diese frühen Fenster »so voll Roth undBlau« wären (trifft für einen grossen Theil der französischen Werkezu). Wenn jeder röthliche Ton roth genannt wird und jede bläulicheFarbe, die nicht gerade grün oder purpurn ist, blau, dann ist dem so.Aber nur diejenigen, welche die alten Farben untersucht haben, besondersdas Roth und Blau, kennen die wunderbare Verschiedenheit in Ton undSchattirung, welche jedes Stück besitzt; es ist gerade die Auswahl dieserStücke und ihre Zusammenstellung, welche die Grösse der Farben-stellung des 12. Jahrhunderts auszeichnet. Die Reihe der Farben warbegrenzt, aber ihre Abarten unzählige und als Folge der Begrenzungder Reihe im allgemeinen harmonisch. Desgleichen gibt Janitsch 3 )bei der Beobachtung der romanischen Fenster des Strassburger Münsterszu, dass Blau, Roth, Gelb und Grün in Niiancen, wenn auch in wenigen,Vorkommen. Auch Viollet-le-Duc 4 ) gibt eine Aufstellung von je vier

') Hei <leti mit Kupfer gefärbLen Gläsern beobachtet man zuweilen braunrotheStreifen in den Tafeln, die Folgen chemischer Veränderungen der färbenden Sub-stanz des Kupfers; diese Erscheinung, häufig bei neuen blauen Antikgläsern, wurde vomVerfasser wiederholt in alten Fenstern aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gefunden.

2 ) Westlake a. a. O. S. 20.

3 ) Tr- Julius Janitsch, Repertorium für Kunstwissenschaft (III, S. 274) 1880.Die älteren Glasgemälde des Strassburger Münsters.

) A. a. O. IX, S. 381 und 395, Anm. Nach den Versicherungen vielererfahrener Praktiker und nach eigenen Versuchen bemerkt Viollet-le-Duc, dass dasIllau des XIII. Jahrhunderts auch bei I.ampenlicht blau erscheine, während sonst dieblauen Gläser ins Graue, Grünliche oder Violette hinüberspielten.

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