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2. Theil, Die Geschichte der Glasmalerei Bd. 1 (1898) Die Frühzeit bis zum Jahre 1400
Entstehung
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Nach dieser Methode wurde bis in die 40er Jahre des 19. Jahrhunderts ineinzelnen deutschen Glashütten das sogenannte Halbmondglas hergestellt, eineArt grosser Butzen, aus welchen, rings um die mittlere Sprengnarbe des Pfeifen-ansatzes herum, die viereckigen Tafeln mit grossem Glasverlust ausgeschnitten wurden.

Ausser den unregelmässig gebrochenen Plattenstücken des geblasenenGlases wandte man jene kreisrunden und ovalen Scheibchen von 6 bis12 cm Durchmesser an, welche, nach dem zweiten Verfahren hergestellt,unter dem Namen Butzenscheibchen oder Nabelscheibchenbekannt sind. Diese grünlich schillernden, runden Gläser haben aufder einen Fläche eine kreisförmige, flache Vertiefung, auf der andern Seiteeine entsprechende flache Erhebung oder Erhöhung, welche zu einer nabel-förmigen, stumpfen und rauhen Narbe ausgezogen ist. Konzentrisch umden Narbenpunkt herum verlaufen im Glase erstarrte, flach gefurchteWellenringe. Diese Ringel und Furchen verleihen den Scheibchen einenmagischen, glitzernden Metallschimmer. Das Scheibchen wird von derMitte zum Rande hin dünner, der äusserste Rand, der eigentliche Saum,erscheint um Strohhalmsbreite dicker, weil er zu einem schmalen Wulstleicht umgefalzt ist. Von ihrer runden Form her hat sich die Bezeich-nung Scheibe auf die späteren viereckigen Fenstergläser übertragen.Die Butzenscheiben, auf welche wir schon oben hindeuteten, haben sichin wechselnden Grössen, aber im ursprünglichen Formcharakter bis ins17. Jahrhundert erhalten, und wir begegnen denselben noch heute ineinzelnen Kirchen, Klöstern und mittelalterlichen Profanbauten.DerEindruck eines mit Butzenscheiben verglasten Fensters ist ein ebensomalerischer als alterthtimlicher. Die Lichtwirkung ist eine ringförmigschillernde. Alle auf die äussere Oberfläche des Butzenscheibchensanprallenden Lichtstrahlen erfahren daselbst mehr oder weniger eineoptische Knickung, und wie auf einer klaren Wasserfläche die fort-schreitenden Wasserwellen, so spielen im grünlichen Butzenscheibchendie zitternden Lichtwellen in schimmernden Lichtreflexen. Jedes Butzen-scheibchen ist ein Lichtmedium von unreiner Textur, eine Linse mitunruhigen, mehrfach gebrochenen Oberflächen. Aus dieser Ursacheschillern die Butzenscheibenfenster so munter und malerisch unter jederbeliebigen Beleuchtung. Wir sehen das einfallende Licht in den Scheibchentanzen und vibriren, und bei jedem Wechsel unseres Standpunktesscheinen die flackernden Lichtringel des Scheibchens abwechselnd ein-ander auszulöschen und wieder zu beleben. Gerade in diesem fort-währenden Bewegen und Verschieben der konzentrischen Lichtkreiseliegt der optische Zauber der alten Butzenscheibchen: wir sehen näm-lich bald dunkle Centralflecke mit hellen Ringen, bald helle Central-punkte mit dunklen Ringen; eins der schönsten Beispiele von derBrechung und Interferenzwirkung durchfallender Lichtstrahlen. ')

') D r. H. Oidtmann I, Die Glasmalerei in ihrer Anwendung auf denProfanbau. Berlin 1873.

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