und durch Hören gelernt habe, bestrebte ich mich in deinem Interesse(oder für deine Studien) zu erforschen“ ').
Theophilus hat, wie er ausdrücklich betont, nach eigener Anschauunggeschrieben, zum Theil hat er die Arbeiten selbst ausgeführt, währender andere in seinem Kloster durch Augenschein genügend kennen lernenkonnte. Die Behauptung Ottin’s * 2 ), dass Theophil die Geheimnisse derKunst nicht gekannt habe, wird durch die Worte des schlichten Möncheswiderlegt.
An dieser Stelle müssen wir die Erörterung eines andern Gesichts-punktes einschalten. Aus der Redeweise Theophil’s hat man den irrigenSchluss gezogen, der Glasmaler habe sämmtliche zur Herstellung vonGlasmalereien erforderlichen Arbeiten selbst verrichtet. Schon Gessert 3 )vertritt diese Ansicht: „Unserm Theophilus zufolge war nun der Glas-maler ältester Zeit zugleich sein eigener Glasmacher, Glasfarbenbereiter,Cartonzeichner und Glaser.“ Die Anrede in den Vorschriften Theo-phil’s ist kaum wörtlich zu nehmen; wir würden heute den Begriff„man“ gebrauchen. Nach einem sehr verständlichen Auszug aus derHandschrift wendet Gessert sich gegen die allerdings zu weitgehendeMeinung Le Vieil’s, der eine übertriebene Vertheilung der Arbeitannimmt, „wie sie einem Handbuche der Nationalökonomie wohl anstiindeund eine Routine in den Handgriffen, wie sie kaum der Bltithezeitunserer Kunst angemessen wäre“.
„Man kann sich leicht vorstellen,“ schreibt Le Vieil nach längeren Ausführungenüber die einzelnen Verrichtungen 4 ), „dass die Werkstätte eines Glasmalers, besondersin den ersten Zeiten, eine grosse Zahl verschiedener Arbeiter erforderte. Ich redehier nur von dem Glasmaler, denn wenn er selbst eine Glashütte für seine gefärbtenGläser aufrichtete, so mussten die dazu erforderlichen Arbeiter die ersteren an derZahl noch weit übertreffen. Man brauchte in diesen Werkstätten Zeichner oder Maler,um die Cartons aufzunehmen und zu coloriren, Leute, welche die Cartons und dasGlas ausschnitten, andere, welche die Schwärze rieben, Glasmaler, um die Zeichnungauf Glas zu übertragen, Schmelzer, Blei- und Löthe-Giesser, Leute, welche die Scheibenwirklich verbleiten und lötheten und andere (contresoudeurs), die, wenn erstere auf
') Verum quoniam hujusmodi -picturae usus perspicax non valet esse, quasicuriosus explorator omnibus modis elaboravi cognoscere, quo artis ingenio et colorumvarietas opus decoraret, et lucem diei solisque radios non repelleret. Huic exercitiodans operam vitri naturam comprehendo, ejusque solius usu et varietate id effici posseconsidero, quod artificium, sicut visum et auditum didici, Studio tuo indagare curavi.
2 ) Ottin L., Le vitrail, Paris 1896, Seite 6.
3 ) Gessert a. a. 0 . Seite 45 und 54.
4 ) Le Vieil. Die Kunst, auf Glas zu malen und Glasarbeiten zu verfertigen,aus dem Französischen des verstorbenen Peter Le Vieil. Erster Theil von JohannConrad Harrepeter. Nürnberg 1779, S. 56.