durchaus zuverlässige Angaben finden sich bei Gessert '), Westlake ' * 2 ),Langlois 3 ), I.evy 4 * ) und in einem Aufsatz von Helmhacker °). In Gallien,Germanien und Britannien fand die Glasfabrikation gerade für Fenster-glas einen fruchtbaren Boden. Erforderte einerseits das rauhe Klimades Nordens einen lichtdurchlässigen Fensterverschluss, so waren anderer-seits feine Alabasterscheibchen schwerer zu beschaffen und ungleichtheuerer; hier drängte das Bediirfniss, neben den farbigen Fenster-mosaiken zur Verglasung der Wohnungen das grünliche alte Glas trotzseiner Mängel zu verwenden.
Am Ende dieses Abschnittes mögen einige Ableitungen desWortes „Glas“ Platz finden. Eine Ansicht geht dahin, das Wort aufdas lateinische glacies zuriiokzuführen, lediglich auf Grund der grossenAehnlichkeit zwischen Eis und Glas. Diese Auslegung erinnert an denkühnen Versuch des Tsidorus, das lateinische vitrum von Video abzu-leiten. Andere denken an die blaue Färber-Pflanze, den Waid, welchelateinisch vitrum oder glastum heisst, weil das blaue Glas das gewöhn-lichste war; wieder andere halten die Bezeichnung der Gallier undBriten für den Bernstein, glassum, oder nach Plinius und Tacitus glesutnfür den Ursprung des Wortes Glas, wegen der gelblichen Farbe desalten Glases.
Die richtige Erklärung dürfte sich wohl auf die Abstammung desWortes „Glas“ von dem altsächsischen glisnian, glänzen, gleissen (angel-sächsisch geglissan, gelexan ) stützen, wozu die vielfachen Vergleicheglänzender Gegenstände mit Glas eine weitere Begründung geben. Zuderselben Wurzel gehören glasen, glühen, glimmen und glast, Glanz 6 ),ferner glat , althochdeutsch glänzend, glaz , Glatze, glazze oder glaze, dasFenster oder die Fensteröffnung : ) usw.
*) Gessert, M. A., Geschichte der Glasmalerei. Stuttgart u. Tübingen 1839.
2 ) Westlake, N. II. J., A history of design in painted glass. London 1881u. f. 4 Bände. B. I, S. 4. Anm.
3 ) L a n g 1 o i s am angef. Orte.
4 ) Levy, Edmond et Capron n ier, Histoire de la peinture sur verre.Brüssel 1860. S. XIX u. f.
’ J ) Prof. R. Helmhacker, lieber altes Glas, lllustrirtes Fachblatt für diegesammte Glas-, Porzellan- und Steingut-Industrie 1895, No. 14 u. 15.
°) Wackernagel a. a. O. S. 120 Anm. 27, Glosen als ein glas, glestenals ein glas: Wigalois 26, 21. 120, 10. 169, 25. 182, 8. 206, 15.
') Ebendort S. 126, Anm. 65. Wäre das schwache fern, glazze oder glaze, dasbei Siegfried Ilelbling 1, 1293 un d 1355 und einem Nachahmer Neidharts in v. d.Ilagens Minnes. 3, 232 b vorkommt, wirklich so viel als Glasfenster oder Glasscheibe,dann hätten sogar Bauernhäuser schon des 13. Jahrhunderts dergleichen gehabt. Aberes wird eben nur ein Fenster, eine lichtgebende Maueröffnung bezeichnen, allerdingsmit glas von einer Wurzel.