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Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
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Cap. 12.

Furcht.

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großer Furcht bedeutend afficirt wird, sehen wir an der merkwür-digen und unerklärlichen Weise, in welcher die Perspiration sofortaus ihr hervorbricht. Diese Ausscheidung ist um so merkwürdiger,als die Oberfläche der Haut dann kalt ist, woher ja der Ausdruckkalter Schweiß rührt, während für gewöhnlich die Schweißdrüsen zurThätigkeit angeregt werden, wenn die Oberfläche warm ist. Auchdie Haare auf der Haut richten sich auf und die oberflächlichenMuskeln zittern. Im Zusammenhänge mit der gestörten Thätigkeitdes Herzens wird auch das Athmen beschleunigt. Die Speichel-drüsen fungiren unvollkommen, der Mund wird trocken 16 und wirdhäufig geöffnet und wieder geschlossen. Ich habe auch bemerkt,daß bei geringer Furcht eine starke Neigung zum Gähnen eintritt.Eines der am besten ausgesprochenen Symptome ist das Erzitternaller Muskeln des Körpers: dies zeigt sich häufig zuerst an denLippen. Aus dieser Ursache und wegen der Trockenheit des Mundeswird die Stimme heiser oder undeutlich, oder kann auch gänzlichversagen.Obstupui, stetcmntque comae, et vox faucibus haesit.

Von der unbestimmten Furcht findet sich eine bekannte undgroßartige Beschreibung im Buche Hiob:Da ich Gesichte be-frachtete in der Nacht, wenn der Schlaf auf die Leute fällt, da kammich Furcht und Zittern an, und alle meine Gebeine erschracken.Und da der Geist vor mir übergieng, standen mir die Haare zu Bergean meinem Leibe; da stand ein Bild vor meinen Augen, und ichkannte seine Gestalt nicht; es war stille und ich hörte eine Stimme:Wie mag ein Mensch gerechter sein, denn Gott? Oder ein Mannreiner sein, denn der ihn gemacht hat? (Hiob 4, 1317.)

In dem Maße, wie sich Furcht zu einer Seelenangst desSchreckens (oder äußerster Furcht) vergrößert, sehen wir, wie beiallen heftigen Gemüthserregungen, verschiedenartige Resultate. DasHerz schlägt stürmisch oder versagt ganz zu fungiren und es trittOhnmacht ein; es ist Todtenblässe vorhanden; das Athmen ist be-schwerlich; die Nasenflügel sind weit ausgedehnt;die Lippenschnappen und bewegen sich convulsivisch, die hohle Wange zittert,

10 Mr. Bain (The Emotions and tlie Will, 1865, p. 54) erklärt in der fol-genden Art und Weise den Ursprung des GebrauchsVerbrecher in Indien demGottesgerichte des Bissens von Reis zu unterwerfen. Man läßt den Angeklagteneinen Mund voll Reis einnehmen und denselben nach einer kurzen Zeit aus-werfen. Ist der Bissen ganz trocken, dann wird der Mensch für schuldig ge-nhalten, sein eigenes böses Gewissen wirkt darauf hin, die Speicheldrüsen zulähmen.