Fünftes Capitel.
Specielle Ausdrucksformen der Thiere.
Der Hund.. —■ Verschiedene ausdrucksvolle Bewegungen desselben. — Katzen. —Pferde. — Wiederkäuer. — Aifen; deren Ausdrucksweise für Freude und Zu-neigung; — für Schmerz; — Zorn; —• Erstaunen und Schreck.
Der Hund. — Ich habe bereits früher (Fig. 3 und 7) die Er-scheinung eines Hundes beschrieben, der sich einem andern Hundemit feindseligen Absichten nähert. Er hat nämlich dann aufgerichteteOhren, scharf nach vorn gerichtete Augen; das Haar im Hacken undauf dem Rücken sträubt sich. Der Gang ist merkwürdig steif undder Schwanz wird aufrecht und steif getragen. Es ist diese Erschei-nung uns eine so geläufige, daß man von einem zornigen Menschenzuweilen |im Englischen] sagt, „er sträubt seinen Rücken.“ Von denoben erwähnten Punkten bedarf nur der steife Gang und der aufrechtgehaltene Schwanz weiterer Erörterung. Sir Ch. Bklu bemerkt 1 , daßwenn ein Tiger oder ein Wolf von seinem Wärter geschlagen undplötzlich zur Wuth getrieben wird, „jeder Muskel in Spannung geräth„und die Gliedmaßen in einer Haltung höchster Anstrengung sich„befinden, bereit zum Einspringen.“ Diese Anspannung der Muskelnund der davon abhängige steife Gang können nach dem Principeassociirter Gewohnheit erklärt werden; denn Zorn hat beständig zuheftigen Kämpfen und in Folge dessen dazu geführt, daß alle Muskelndes Körpers heftig angestrengt wurden. Es ist auch Grund zur Ver-muthung vorhanden, daß das Muskelsystem eine kurze Vorbereitungoder einen gewissen Grad von Innervation bedarf, ehe es zu starkerThätigkeit gebracht werden kann. Meine eigene Empfindung führtmich zu diesem Schlüsse. Ich kann aber nicht finden, daß es eineSchlußfolgerung wäre, zu welcher auch Physiologen gelangt sind.
1 The Anatomy of Expression. 1844, p. 190.