Sechstes CapiteL
Specielle Ausdrucksweisen beim Menschen: Leiden und Weinen.
Das Schreien und Weinen kleiner Kinder. — Form der Gesichtszüge. — Alter,in welchem das Weinen beginnt. — Die Wirkung gewohnheitsgemäßen Unter-drückens des Weinens. — Schluchzen. — Ursache der Zusammenziehung derMuskeln rings um das Auge während des Schreiens. — Ursache der Thränen-absonderung.
hi diesem und den folgenden C'apiteln sollen die vom Menschenin verschiedenen Seelenzuständen dargebotenen Ausdrucksweisen be-schrieben und erklärt werden, soweit es in meiner Macht liegt. MeineBeobachtungen sind in der Ordnung zusammengestellt, welche ich alsdie zweckmäßigste befunden habe; und diese wird dann allgemeinzu entgegengesetzten Erregungen und Empfindungen führen, die auf-einander folgen.
Leiden des Körpers und der Seele: Weinen. — Ich habebereits mit hinreichenden Einzelnheiten im dritten Gapitel die Zeichenäußersten Schmerzes beschrieben, wie sie sich durch Schreien undStöhnen, durch ein Winden des ganzen Körpers und durch das Zu-sammenschlagen oder Knirschen der Zähne darstellen. Diese Zeichenwerden häufig von profusem Schwitzen, Erblassen, Zittern, äußerstemAbgespanntsein oder Ohnmacht begleitet, oder diese Zustände folgenjenen. Kein Leiden ist größer als das in Folge äußerster Furchtoder höchsten Entsetzens; hier kommt aber eine besondere Erregungnoch in’s Spiel, wie später an anderem Orte betrachtet werden wird.Lang andauerndes Leiden besonders des Geistes geht in trübe Stim-mung, Kummer, Niedergeschlagenheit und Verzweiflung über, unddieser Zustand wird den Gegenstand des folgenden Capitels bilden.Hier werde ich mich beinahe ganz auf das Weinen oder Schreienbesonders bei Kindern beschränken.
Wenn kleine Kinder selbst geringen Schmerz erdulden, mäßigenHunger oder Kummer 'leiden, so werden heftige und anhaltende