Elftes Capitel.
Geringschätzung, — Verachtung. — Abscheu. — Schuld. — Stolz u.s.w.— Hülflosigkeit. — Geduld. — Bejahung und Verneinung.
Verachtung, Spott und Geringschätzung verschieden ausgedriickt. — HöhnischesLächeln. — Geherden, welche Verachtung ausdrücken. — Abscheu. — Schuld,List, Stolz u. s. w. — Hülflosigkeit oder Unvermögen. — Geduld. — Hart-näckigkeit. — Zucken der Schultern, bei den meisten Menschenrassen vor-kommend. — Zeichen der Bejahung und Verneinung.
Spott und Geringschätzung kann kaum von Verachtung unter-schieden werden, ausgenommen, daß sie einen im Ganzen genommenzornigeren Seelenzustand voraussetzen. Sie können auch nicht deut-lich von den Empfindungen unterschieden werden, welche im letztenCapitel unter der Bezeichnung des Hohnes und des herausforderndenTrotzes erörtert wurden. Abscheu ist eine ihrer Natur nach imGanzen verschiedenere Empfindung und bezieht sich auf etwas Wider-strebendes, ursprünglich in Bezug auf den Geschmackssinn, wie es ent-weder factisch wahrgenommen oder lebhaft eingebildet wird, und anzweiter Stelle auf irgend Etwas, was eine ähnliche Empfindung ver-ursacht und zwar durch den Sinn des Geruchs oder Gefühls oderselbst des Gesichts. Nichtsdestoweniger ist äußerste Verachtung oderwie sie zuweilen genannt wird, widrige Verachtung kaum von Ab-scheu verschieden. Diese verschiedenen Zustände der Seele sinddaher nahe mit einander verwandt und jeder von ihnen kann aufviele verschiedene Weise dargestellt werden. Einige Schriftstellerhaben hauptsächlich die eine Ausdrucksweise hervorgehoben, anderewieder eine davon verschiedene. Aus diesen Umständen hat Mr.Lemoine gefolgert 1 , daß ihre Beschreibungen nicht zuverlässig sind.Wir werden aber sofort sehen, daß es sehr natürlich ist, daß die
1 De la Physionomie et de la Parole, 1865, p. 85.