Zweites Kapitel.
Allgemeine Principien des Ausdrucks. ■— (Fortsetzung.)
Das Princip des Gegensatzes. — Beispiele vom Hunde und von der Katze. —Ursprung des Princips. — Conventionelle Zeichen. — Das Princip des Gegen-satzes ist nicht daraus hervorgegangen, daß entgegengesetzte Handlungenmit Bewußtsein unter entgegengesetzten Antrieben ausgeführt werden.
Wir wollen nun unser zweites Princip betrachten, das des Gegen-satzes. Gewisse Seelenzustände führen, wie wir im letzten Capitelgesellen haben, auf gewisse gewohnheitsgemäße Bewegungen, welcheursprünglich von Nutzen waren oder es noch immer sein können ;und wir werden nun finden, daß, wenn ein direct entgegengesetzterSeelenzustand herbeigeführt wird, eine heftige und unwillkürlicheNeigung eintritt, Bewegungen einer direct entgegengesetzten Art aus-zuführen, auch wenn dieselben niemals von irgend welchem Nutzenwaren. Einige wenige auffallende Beispiele dieses Gegensatzes werdenangeführt werden, wenn wir die speciellen Ausdrucksweisen beim Men-schen behandeln werden; da wir aber in diesen Fällen ganz besondersdem ausgesetzt sind, conventioneile oder künstliche Geberden undAusdrucksarten mit denen zu verwechseln, welche angeboren oder all-gemein sind und welche allein als wahre Ausdrucksformen betrachtetzu werden verdienen, so will ich mich in dem vorliegenden Capitelfast ausschließlich auf die niederen Tliiere beschränken.
Wenn sich ein Hund einem fremden Hunde oder Menschen ineiner wilden und feindseligen Stimmung nähert, so geht er aufrechtund recht steif einher: sein Kopf ist leicht emporgehoben oder nichtsehr gesenkt; der Schwanz wird aufrecht und vollständig steif ge-tragen; die Haare sträuben sich, besonders dem Nacken und Rückenentlang; die gespitzten Ohren sind vorwärts gerichtet und die Augenhaben einen starren Blick (s. Fig. 5 und 7). Diese Erscheinungensind, wie hernach erklärt werden wird, eine Folge davon, daß es die