236 Ausdruck der Unfähigkeit. Cap. 11.
erklären, daß sie von vier meiner Correspondenten nicht bemerktworden ist.
Diese Angaben, welche sich auf die Europäer, Hindus, die Berg-stämme von Indien, die Malayen, Mikronesier, Abyssinier, Araber,Indier von Nord-America und offenbar auch auf Australier beziehen, —und viele dieser Eingebornen haben kaum irgend welchen Verkehrmit Europäern gehabt, — sind wohl genügend, um zu beweisen, daßdas Zucken mit den Schultern, in manchen Fällen von den übrigeneigenthümlichen Bewegungen begleitet, eine der Menschheit natür-liche Geberde ist.
Diese Geberde drückt eine nicht beabsichtigte oder unvermeid-liche Handlung unsererseits aus oder eine, welche wir nicht aus-führen können, oder auch eine Handlung, die irgend eine anderePerson ausführt, welche wir nicht verhindern können. Sie begleitetderartige Redensarten wie: „es war nicht meine Schuld“, „es ist mir„unmöglich, diese Vergünstigung zu gewähren“, „er muß seinen„eigenen Weg gehen, ich kann ihn nicht aufhalten“. Das Zuckenmit den Schultern drückt gleichfalls Geduld oder die Abwesenheitirgend welcher Absicht zu widerstehen aus. Daher werden die Muskeln,welche die Schultern erheben, wie mir ein Künstler mitgetheilt hat,zuweilen die „Geduldmuskeln“ genannt. Der Jude Shylok sagt:
„Signor Antonio, viel und oftermalsHabt ihr auf dem Kialto mich geschmähtUm meine Gelder und um meine Zinsen;
Stets trug ich’s mit geduld’gem Achselzucken.“
Kaufmann von Venedig, Aet 1 , Scene 3.
Sir Ch. Bell hat eine lebensgetreue Abbildung eines Mannesgegeben 14 , welcher vor irgend einer fürchterlichen Gefahr zurück-schreckt und im Begriffe ist, in verlorener Angst aufzuschreien. Erist dargestellt mit seinen Schultern beinahe bis zu den Ohrenerhoben und dies deutet sofort an, daß kein Gedanke an Widerstandvorhanden ist.
Da das Zucken mit den Schultern allgemein den Sinn hat:„ich kann dies oder das nicht thun“, so drückt es zuweilen durcheine unbedeutende Änderung aus: „ich will es nicht thun.“ DieBewegung drückt dann einen festen Entschluß aus, nicht zu handeln.Olmsted beschreibt 15 einen Indianer in Texas, welcher stark mit
14 Anatomy of Expression, p. 166.
15 Journey through Texas, p. 352.