230
Ausdruck der Schuld.
Cap. 11.
aber häufig in einem hohem Grade, als wir vermuthen, durch unserevorausgehende Kenntnis der Personen oder der Umstände geleitet.
Meine Frage, ob der Ausdruck der Schuld oder der List unterden verschiedenen Menschenrassen wieder erkannt werden kann, be-antworten meine Correspondenten beinahe einstimmig bejahend; ichverlasse mich auch auf ihre Antwort, da sie allgemein verneinen, daßdie Eifersucht in dieser Weise erkannt werden könne. In den Fällen,wo Einzelnheiten mitgetheilt werden, wird beinahe immer auf dieAugen Bezug genommen. Von einem schuldigen Menschen wird ge-sagt, daß er es vermeide, seinen Ankläger anzusehen, oder daß erihm nur verstohlene Blicke zuwerfe. Von den Augen wird gesagt,daß sie „schräg hinschielen“ oder daß sie „von einer Seite zur andernschwanken“, oder daß die Augenlider gesenkt und theilweise „ge-schlossen“ sind. Letztere Bemerkung hat Mr. Hagestaüeb in Bezugauf die Australier und Gaika in Bezug auf die Kaffern gemacht. Dieruhelosen Bewegungen der Augen sind allem Anscheine nach (wiedann noch erklärt werden wird, wenn wir von dem Erröthen sprechenwerden,) eine Folge davon, daß der Schuldige es nicht aushält, denBlick seines Anklägers zu ertragen. Ich will noch hinzufügen, daßich bei einigen meiner eigenen Kinder in einem sehr frühen Altereinen Ausdruck der Schuld beobachtet habe, ohne einen Schattenvon Furcht. In einem Beispiele war der Ausdruck bei einem zw'eiJahre und sieben Monate alten Kinde unverkennbar deutlich undführte zur Entdeckung seiner kleinen Missethat. Er wurde, wie ichin meinen zu der Zeit niedergeschriebenen Bemerkungen notirt habe,durch ein unnatürliches Glänzen der Augen und durch eine merkwürdige,affectirte, unmöglich zu beschreibende Art und Weise dargestellt.
Auch die Schlauheit wird, wis ich glaube, hauptsächlich durchBewegungen um die Augen dargestellt. Denn diese sind wenigerunter der Controle des Willens in Folge der Gewalt lang andauern-der Gewohnheit, als die Bewegungen des Körpers. Mr. HekbebtSpencee 12 bemerkt, „wenn ein lebhaftes Verlangen vorhanden ist,„etwas auf der einen Seite des Gesichtsfeldes zu sehen, ohne die„Vermuthung auf kommen zu lassen, daß man es sieht, so tritt die„Neigung ein, die auffallende Bewegung des Kopfes zu verhindern„und die nothwendige Richtung ausschließlich den Augen zu über-lassen, welche daher sehr stark nach der einen Seite hingewendet„werden. Wenn folglich die Augen nach einer Seite gewendet
12 Principles of Psycliology, 2. edit., 1872, p. 552.