Cap. 10.
Zorn und Wuth.
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gesprochen, so schäumt der Mund. Das Haar sträubt sich zuweilen;ich werde aber auf diesen Gegenstand in einem andern Capitel zurück-kommen, wenn ich die gemischten Gemüthserregungen der Wuth undder äußersten Furcht behandeln werde. In den meisten Fällen istein stark markirtes Stirnrunzeln wahrnehmbar; denn dies ist regel-mäßig eine Folge des Gefühls, daß irgend etwas nicht gefällt oderschwer zu beseitigen ist in Verbindung mit einer Concentration desGeistes. Zuweilen aber bleiben die Augenbrauen, anstatt bedeutendzusammengezogen und gesenkt zu werden, glatt, und die starrendenAugen werden weit offen gehalten. Die Augen sind immer glänzendoder können, wie Homer es ausdrückt, funkeln vor Feuer. Sie sind zu-weilen mit Blut unterlaufen und man sagt: sie ragen aus ihren Höhlenhervor — ohne Zweifel das Resultat davon, daß der Kopf mit Blutüberfüllt ist, wie sich aus der Ausdehnung der Venen ergibt. DerAngabe Gratiolet’s zufolge 8 sind die Pupillen immer in der Wuthzusammengezogen, und ich höre von Dr. Crichton Browne, daß diesin den wüthenden Delirien der Hirnhautentzündung der Fall ist; dieBewegungen der Regenbogenhaut unter dem Einflüsse der verschie-denen Gemüthsbewegungen ist aber ein sehr dunkler Gegenstand.
Shakespeare faßt die hauptsächlichsten characteristischen Zei-chen der Wuth wie folgt zusammen:
„Im Frieden kann so wohl nichts einen MannAls Demuth und bescheidne Sitte kleiden;
Doch bläst des Krieges Wetter euch in’s Ohr,
Dann ahmt den Tiger nach in seinem Thun;
Spannt eure Sehnen, ruft das Blut herbei!
Entstellt die liebliche Natur mit Wuth!
Dann leiht dem Auge einen Schreckensblick;
Nun knirscht die Zähne, schwellt die Nüstern auf,
Den Atliem hemmt, spannt alle Lebensgeister: Zur vollen Höh’ — auf, Englische von Adel!“
Heinrich V., Act 8, Scene L
Die Lippen werden zuweilen während der Wuth in einer Art undWeise vorgestreckt, deren Bedeutung ich nicht verstehe, wenn esnicht von unserer Abstammung von irgend einem affenartigen Thiereherrührt. Beispiele hierfür sind nicht bloß bei Europäern beobachtetworden, sondern auch bei Australiern und Hindus. Indessen werdendie Lippen viel häufiger zurückgezogen, wodurch die grinsenden undaufeinandergebissenen Zähne gezeigt werden. Dies ist beinahe von
De la Physionomie, 1865, p. 346.
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