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Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
Entstehung
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Ausdruck der Überlegung.

Cap. 9.

werth finden, die embryonale Entwicklung eines Organes zu verfolgen,um seinen Bau vollständig zu verstehen, ist es auch in Bezug aufdie Bewegungen des Gesichtsausdrucks gerathen, so nahe wie möglichdenselben Plan zu verfolgen. Die früheste und beinahe einzige Aus-drucksform, welche während der ersten Tage der Kindheit zu sehenist, dann aber häufig dargeboten wird, ist die im Acte des Schreiensgezeigte; und das Schreien wird sowohl zuerst als noch einige Zeitspäter durch jede ängstigende oder unangenehme Empfindung oderGemiithsbewegung erregt, durch Hunger, Schmerz, Zorn, Eifersucht,Furcht u. s. w. In solchen Zeiten werden die Muskeln rings umdas Auge heftig zusammengezogen, und dies erklärt, wie ich glaube,in hohem Maße den Act des Stirnrunzelns während der übrigen Zeitunseres Lebens. Ich habe wiederholt meine eignen Kinder von einemAlter unter einer Woche bis zu dem von zwei oder drei Monatenbeobachtet und gefunden, daß, wenn ein Schreianfall allmählich heran-kam, das erste Zeichen davon die Zusammenziehung der Augen-brauenrunzler war, welche ein leichtes Stirnrunzeln verursachte undwelcher sehr bald die Zusammenziehung der anderen Muskeln ringsum das Auge folgte. Wenn ein kleines Kind sich ungemüthliclifühlt oder unwohl ist, so kann man kleine Stirnrunzelungen wieich in meinem Tagebuche notirt habe, beständig wie Schattenüber ihr Gesicht ziehen sehen; diesen folgen allgemein, aber nichtimmer, früher oder später Schreianfälle. Ich beobachtete z. B. einkleines, zwischen sieben und acht Wochen altes Kind, als es Milchsaugte, welche kalt und ihm daher unangenehm war; während derganzen Zeit behielt es ein leichtes Stirnrunzeln bei. Dies entwickeltesich nie zu einem wirklichen Anfall von Weinen, doch ließ sichgelegentlich jede Stufe des dichten Herannahens eines solchen beob-achten.

Da kleine Kinder zahllose Generationen hindurch der Gewohn-heit, beim Anfänge jeden Anfalls von Weinen oder Schreien die Augen-brauen zusammenziehen, gefolgt sind, so ist dieselbe mit dem langsameintretenden Gefühle von irgend etwas Ängstigendem oder Unan-genehmem fest associirt worden. Sie ist daher leicht geneigt unterähnlichen Umständen auch während des reifen Alters beibehalten zuwerden, obschon sie dann niemals zu einem Weinanfall weiterent-wickelt wird. Schreien oder Weinen wird schon in einer frühenLebensperiode willkürlich zurückzudrängen begonnen, während dasStirnrunzeln kaum jemals auf irgend einer Altersstufe unterdrücktwird. Es ist vielleicht der Bemerkung werth, daß bei zum Weinen