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Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
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Cap. 9.

Überlegung.

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Menschen aller Rassen runzeln die Stirn, wenn sie in ihrenGedanken auf irgend welche Weise verworren werden, wie ich ausden Antworten schließe, die ich auf meine Fragen erhalten habe;ich habe indessen dieselben schlecht formulirt, da ich dabei dasvertiefte Nachdenken mit perplexer Überlegung verwechselt habe.Nichtsdestoweniger ist es doch klar, daß die Australier, Hindus undKaffem von Süd-Africa die Stirn runzeln , wenn sie in Verlegenheitgerathen. Dobritztiofer bemerkt, daß die Guaranis von Süd-Americabei gleicher Gelegenheit ebenfalls ihre Augenbrauen zusammenziehen 4 .

Nach diesen Betrachtungen können wir schließen, daß das Stirn-runzeln nicht der Ausdruck der einfachen Überlegung, wie tief ein-gehend dasselbe auch sein mag, oder der, wenn auch noch so inten-siven Aufmerksamkeit ist, sondern der Ausdruck für irgend eineSchwierigkeit oder etwas Unangenehmes, was während eines Ge-dankenzuges oder bei einer Handlung erfahren wird. Tiefe Über-legung kann indessen selten lange fortgesetzt werden, ohne aufirgend eine Schwierigkeit zu stoßen, so daß sie allgemein von einemStirnrunzeln begleitet sein wird. Daher kommt es, daß das Stirn-runzeln dem Gesicht gewöhnlich, wie Sir Ch. Bell bemerkt, denAusdruck intellectueller Energie gibt. Damit aber diese Wirkunghervorgebracht werde, müssen die Augen klar und fest sein, odernach abwärts gerichtet werden, wie es häufig beim tiefen Denkenvorkommt. Das Gesicht muß nicht auf andere Weise gestört sein,wie es bei einem übelgelaunten oder mürrischen Menschen der Fallist, oder bei einem, welcher die Wirkungen lange anhaltenden Leidenszeigt mit matten Augen und schlaff herabhängenden Kinnladen, oderwelcher einen schlechten Geschmack in einer Speise wahrnimmt,oder der es schwierig findet, irgend eine unbedeutende Handlung,wie das Einfädeln einer Nadel, auszuführen. In diesen Fällen kannman häufig ein Stirnrunzeln eintreten sehen, es wird aber hier vonirgend einer andern Ausdrucksform begleitet sein, welche es voll-ständig verhindert, daß das Gesicht den Anblick- intellectueller En-ergie oder tiefen Denkens darbietet.

Wir können nun untersuchen, woher es kommt, daß ein Stirn-runzeln die Empfindung von irgend etwas Schwierigem oder Unan-genehmem entweder in einem Gedankenzuge oder in einer Handlungausdrücken soll. In derselben Weise wie es Naturforscher empfehlens-

4 History of the Abipones. Engl. Übers. Vol. II, p. 59, citirt von Lub-bock, Origin of Civilisation, 1870, p. 355.

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