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Ausdruck der Liebe.
Cap. 8.
Ks ist aber insoweit eingeboren oder natürlich, als es allem Anscheinenach von dem Vergnügen abbängt, mit einer geliebten Person innahe Berührung zu kommen, ln verschiedenen Theilen der Weltwird es durch das Beiben der Nasen an einander ersetzt, so bei denNeu-Seeländern und Lappländern, oder durch das Beiben oder Klopfender Arme, der Brust oder des Bauches, oder, daß der eine seineigenes Gesicht mit den Händen oder Füßen des andern streichelt.Vielleicht dürfte die Gewohnheit, als ein Zeichen der Zuneigung aufverschiedene Theile des Körpers zu blasen, von demselben Grund-sätze abhängen 2S .
Die Empfindungen, welche man zärtlich nennt, sind schwer zuanalysiren; sie scheinen aus Zuneigung, Freude und besonders ausSympathie zusammengesetzt zu sein. Diese Empfindungen sind ansich von einer Vergnügen erregenden Natur, ausgenommen wenn dasMitleid zu tief ist oder Entsetzen erregt wird, wie bei der Nachricht,daß ein Mensch oder Thier gequält worden ist. Von unserem vor-liegenden Gesichtspunkte aus sind sie deshalb merkwürdig, als sie soleicht die Absonderung von Thränen hervorrufen. So mancher Vaterund Sohn hat beim Wiedersehen nach einer langen Trennung geweint,besonders wenn die Begegnung unerwartet war. Ohne Zweifel hatdie äußerste Freude an sich die Neigung, auf die Thränendrüsen ein-zuwirken. Aber bei solchen Veranlassungen, wie der eben erwähnten,werden auch unbestimmte Gedanken an den Kummer, welcher em-pfunden worden wäre, wenn sich der Vater und Sohn niemals ge-troffen hätten, wahrscheinlich durch die Seele gezogen sein, und Kum-mer führt naturgemäß zur Absonderung von Thränen. So heißt esbei der Rückkehr des TUysses:
„Aber der Jüngling
„Schlang uni den herrliehen Vater sioli schmerzvoll Thränen vergießend.
„Beiden regte sich jetzo des Grams wehmiithige Sehnsucht.
„Also nun zum Erbarmen vergossen sie Thränen der Wehmuth.
„Ja den Klagenden wäre das Lieht der Sonne gesunken,
„Hätte Telemachos nicht alsbald zum Vater geredet.“
O dy s see, Übers, von .1. H. Voss. XVI. Oes. V. 213 flgde.
Ferner heißt es von der Penelope, als sie endicli ihren Gattenwiedererkannte:
23 s. eine ausführliche Schilderung mit Verweisungen hei E. B. Tylor,Researches into the Early History of Vankind. 2. edit., 1870, p. 51.