■Cap. 8.
Zärtlichkeit etc.
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„Ihr aber erzitterten Herz und Kniee,
„Da sie die Zeichen erkannt, die genau ihr verkündet Odysseus.
„Weinend lief sie hinan und schlang sich mit offenen Armen„Ihrem Gemahl um den Hals, und das Haupt ihm küssend begann sie.“
ebenda XXTI1. Ges. T. 203—So«.
Die lebhafte Rückerinnerung an unsere frühere Heimat oder anlängst vergangene glückliche Zeiten verursacht sehr leicht die Füllungunserer Augen mit Thränen. Aber auch hier tritt sehr naturgemäßder Gedanke ein, daß diese Zeiten niemals wiederkehren werden, lnderartigen Fällen können wir sagen, daß wir mit uns selbst in unseremjetzigen Zustande sympathisiren im Vergleich mit unserem, früherenZustande. Sympathie mit dem Unglück Anderer, selbst mit dem reinimaginären Unglück der Heldin in einem traurigen .Romane, für diewir keine Zuneigung weiter empfinden, reizt sehr leicht zu Thränen.Dasselbe thut die Sympathie mit dem Gefühle anderer, wie z. B.mit dem Glücke eines Liebhabers, der in einer gut erzählten Novellenach vielen harten Erfahrungen endlich an das Ziel seiner Wünschekommt.
Sympathie scheint eine besondere oder bestimmte Gemiiths-erregung darzustellen; sie ist besonders geneigt, die Thränendrüsenzu reizen. Dies gilt sowohl für den Fall, daß wir Sympathie em-pfinden, als für den, w r o wir sie empfangen. Jedermann muß erfahrenhaben, wie leicht Kinder in Weinen ausbrechen, wenn wir sie fürirgend eine kleine Verletzung bemitleiden. Wie mir Dr. CbichtoxBbownu mittheilt, reicht bei den melancholischen Geisteskranken häufigein freundliches Wort hin, sie in nicht zu stillendes Weinen zu ver-setzen. Sobald wir unser Mitleid mit dem Kummer eines Freundesaasdrücken, kommen häufig Thränen in unsere eigenen Augen. DasGefühl der Sympathie wird gewöhnlich durch die Annahme erklärt,daß, wenn wir von dem Leiden eines Andern hören oder dasselbesehen, die Idee des Leidens in unserer eigenen Seele so lebhaft wach-gerufen wird, daß wir selbst leiden. Diese Erklärung ist aber kaumgenügend, denn sie gibt keinen Aufschluß über die innige Verbindungzwischen Sympathie und Zuneigung. Wir sympathisiren ohne Zweifelviel tiefer mit einer geliebten als mit einer gleichgültigen Person, unddie Sympathie der einen gewährt uns viel mehr Erleichterung als dieder andern. Aber doch können wir ganz sicher auch mit-denjenigensympathisiren, für die wir keine Zuneigung empfinden.
Warum ein Leiden, wenn es wirklich von uns erfahren wird,Weinen erregt, ist in einem früheren Capitel erörtert worden, ln