186
Ausdruck der Freude.
Cap. 8.
„Laute Luft ein“ 19 und dies dürfte eine Nachahmung des Actes desYerschluckens würziger Speise sein.
Das Lachen wird durch die feste Zusammenziehung der Kreis-muskeln des Mundes unterdrückt, welche den großen Jochbeinmuskelund andere Muskeln daran hindern, die Lippen nach rückwärts undaufwärts zu ziehen. Es wird auch zuweilen die Unterlippe von denZähnen festgehalten, und dies gibt dem Gesichte einen schalkhaftenAusdruck, wie es bei der blinden und tauben Lauha Bmdgman beob-achtet wurde 211 . Der große Jochbeinmuskel ist zuweilen in seinemVerlaufe variabel. Ich habe eine junge Frau gesehen, bei welcherdie Herabdrücker der Mundwinkel bei dem Unterdrücken einesLächelns in starke Thätigkeit versetzt wurden. Dies gab ihr indeßdurchaus nicht einen melancholischen Ausdruck des Gesichts wegen desGlanzes ihrer Augen.
Das Lachen wird häufig in einer gezwungenen Weise dazu ange-wendet, irgend einen andern Seelenzustand, selbst. Zorn, zu verbergenoder zu maskiren. Wir sehen oft Personen lachen, um ihre Schamoder Schüchternheit zu verbergen. Wenn eine Person ihren Mundzusammenkneift, als wollte sie die Möglichkeit eines Lächelns verhüten,trotzdem nichts vorhanden ist, ein solches zu reizen, oder nichts,was den freien Genuß desselben verhindern könnte, so erhält dasGesicht einen affectirten, feierlichen oder pedantischen Ausdruck.Aber von solchen hybriden Ausdrucksformen braucht hier nichtsweiter gesagt zu werden. Bei dem Verlachen wird ein wirklichesoder vorgegebenes Lächeln oder ein Lachen häufig mit dem Ausdrucke,welcher der Verachtung eigenthümlich ist, verschmolzen, und dieskann in zorniges Verachten oder Spott übergehen, ln solchen Fällenist die Bedeutung des Lachens oder des Lächelns die, der verletzen-den Person zu zeigen, daß sie nur Erheiterung erregt,
Liebe, zärtliche Empfindungen u. s. w. — übschon dieGemüthserregung der Liebe, z. B. der einer Mutter für ihre Kinder,■eine der stärksten ist, deren die Seele fähig ist, so kann doch kaumgesagt werden, daß sie irgend ein eigenthümliches oder besonderesMittel des Ausdrucks habe, und dies ist daraus verständlich, daß sienicht gewohnheitsgemäß zu irgend einer speciellen Thätigkeitsrichtunggeführt hat. Da ohne Zweifel Zuneigung eine Vergnügen erregende
I!l Crantz, citirt von Tylor, Primitive Culture, Vol. 1, 1871, p. 1G!>.
20 F. Lieber, Smithsonian Contributions, Vol. II, 1851, p. 7.