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Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
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Cap. 6.

Weinen.

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sammenhängenden Rasereien. Wir dürfen indeß auf das reichlicheThränenvergießen hei Geisteskranken, als eine Folge des Mangelsjeder Zurückhaltung, nicht zuviel Gewicht legen; denn gewisse Ge-hirnkrankheiten wie Hemiplegie, Hirnschwund und Marasmus habeneine specielle Neigung, Weinen zu veranlassen. Das Weinen heiGeisteskranken ist ganz allgemein, selbst nachdem ein Zustand völligerBlödsinnigkeit erreicht worden und das Vermögen der Sprache ver-loren gegangen ist. Auch blödsinnig geborene Personen weinen 9 . Mansagt aber, daß es bei Cretins nicht der Fall ist.

Das Weinen scheint, wie wir bei Kindern sehen, die ursprüng-liche und natürliche Ausdrucksform für Leiden irgend welcher Artzu sein, mag es körperlicher Schmerz, der nur wenig der äußerstenTodesangst nachsteht, oder geistiges Unglück sein. Aber die vor-stehend erwähnten Thatsachen und die gewöhnliche Erfahrung zeigtuns, daß eine häufig wiederholte Anstrengung, das Weinen zu unter-drücken, in Verbindung mit gewissen Seelenzuständen sehr wirksamist, die Gewohnheit zu unterbrechen. Andererseits scheint es fast, alskönne das Vermögen zu weinen durch Gewohnheit verstärkt werden.So behauptet Mr. R. Taylor 10 , welcher lange in Neu-Seeland lebte,daß die Frauen dort willkürlich Thränen im Überfluß vergießen können.Sie kommen zu diesem Zwecke, um die Todten zu beklagen, zusammenund setzen ihren Stolz darein,in der ergreifendsten Weise zu weinen.

Ein einzelner Versuch des Zurückhaltens, auf die Thränendrüsenhingeleitet, scheint wenig zu thun und geradezu zu einem entgegen-gesetzten Resultate zu führen. Ein alter und erfahrener Arzt hatmir erzählt, daß er immer gefunden habe, wie das einzige Mittel,das gelegentlich bittere Weinen von Damen aufzuhalten, welche ihnum Rath frage)! und selbst wünschten, aufhören zu können, gewesensei, sie zu bitten, dies nicht zu versuchen, und ihnen zu versichern,daß sie nichts mehr trösten würde, als lang anhaltendes reichlichesWeinen.

Das Schreien kleiner Kinder besteht in lang anhaltendem Aus-athmen mit kurzen rapiden, beinahe krampfhaften Inspirationen, demin etwas vorgeschrittenerem Alter Schluchzen folgt. Der AngabeGbatiolets zufolge * 11 ist während des Actes des Schluchzens haupt-

s s. z. B. Mr. Marslialls Beschreibung eines Blödsinnigen in: Philos.Transact. 1864, p. 526. In Bezug auf Cretins vergl. Piderit, Mimik und Phy-siognomik, 1867, S. 61.

10 New Zealand and its Inliabitants. 1855, p. 175.

11 De la Physiognomie. 1865, p. 126.