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Der Ausdruck der Gemüthsbewegungen bei dem Menschen und den Thieren
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Cap. 6.

Weinen.

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scheint. In einem Falle wurden die Augen leicht wässerig im Altervon nur 20 Tagen, in einem andern in dem von 62 Tagen. Bei zweianderen Kindern, im Alter von 84 und 110 Tagen liefen die Thränennicht über das Gesicht herab, aber bei einem dritten Kinde liefensie schon im Alter von 104 Tagen über die Wangen. Wie mir positivversichert wurde, liefen in einem Falle Thränen in dem ungewöhnlichfrühen Alter von 42 Tagen über das Geicht. Es möchte scheinen,als ob die Thränendrüsen in den Individuen etwas Übung erforderten,ehe sie leicht zur Thätigkeit erregt werden können, in ziemlich der-selben Art und Weise, wie verschiedene angeerbte consensuelle Be-wegungen und Geschmacksformen eine gewisse Übung erfordern, ehesie fixirt. und vollkommen werden. Dies ist um so wahrscheinlicherbei einer Gewohnheit wie der des Weinens, welche seit der Zeit er-langt worden sein muß, wo der Mensch von dem gemeinsamen TJr-erzeuger der Gattung Homo und der nicht weinenden anthropomorphenAffen abzweigt wurde.

Die Thatsache, daß Thränen in einem sehr frühen Alter ausSchmerz oder irgend einer geistigen Erregung nicht vergossen werden,ist merkwürdig, da im späteren Leben keine Ausdrucksform allgemeineroder schärfer ausgeprägt ist als das Weinen. Ist die Gewohnheiteinmal von einem Kinde erlangt worden, so drückt es in der deut-lichsten Art und Weise Leiden aller Arten, sowohl körperlichenSchmerz als geistiges Unglück, selbst wenn es von anderen Erregungeuwie Furcht oder Wuth begleitet wird, durch Weinen aus. Indessenist der Character des Weinens in einem sehr frühen Alter verschie-den, wie ich bei meinen eigenen Kindern beobachtet habe: leiden-schaftliches Schreien ist verschieden von dem Weinen vor Kummer.Eine Dame theilt mir mit, daß ihr neun Monate altes Kind lautaufschreit, aber nicht weint, wenn es in Leidenschaft geräth. Esvorgießt aber Thränen, wenn es dadurch bestraft wird, daß manseinen Stuhl mit dem Rücken nach dem Tische zu umdreht. DieseVerschiedenheit kann vielleicht dem Umstande zugeschrieben werden,daß das Weinen in einem vorgeschritteneren Alter, wie wir sofortsehen werden, in den meisten Fällen mit Ausnahme des Kummersunterdrückt wird, aber auch dem anderen Umstande, daß die Fähig-keit eines solchen Zurückdrängens auf eine frühere Lebensperiodeüberliefert wird als auf die, L in welcher sie zum ersten Male aus-geübt wurde.

Bei Erwachsenen und besonders denen des männlichen Geschlechtshört das Weinen bald auf, durch körperlichen Schmerz verursacht zu