126
Ansdrucksformen bei Thieren.
Cap. 5.
lieh langen Zeit, und so viel sie auch erstaunt sein mochten oderwenn sie mit noch so intensiver Aufmerksamkeit auf irgend einenfremdartigen Laut hörten, so hielten sie doch ihren Mund nicht offen.Diese Thatsaehe ist überraschend , da heim Menschen kaum irgendein Ausdruck allgemeiner ist als ein weitgeöffneter Mund im Gefühledes Erstaunens. So viel ich im Stande gewesen hin, zu beobachten,athmen Affen stärker durch ihre Nasenlöcher als es die Menschenthun; und dies dürfte es erklären, daß sie, wenn sie erstaunt sind,ihren Mund nicht öffnen. Denn wie wir in einem späteren Capitelsehen werden, thut der Mensch dies, wenn er erstaunt ist, augen-scheinlich zuerst zum Zwecke, schnell eine volle Inspiration zu er-halten und später, um so ruhig wie möglich zu athmen.
Schreck wird von vielen Arten von Affen durch das Ausstößenschriller Schreie ausgedrückt. Die Lippen werden zurückgezogen, sodaß die Zähne exponirt sind. Das Haar wird aufgerichtet, besonderswenn gleichzeitig etwas Zorn gefühlt wird. Mr. Sutton hat das Ge-sicht des Macacus rhesus aus Furcht deutlich erbleichen sehen. Affenzittern auch aus Furcht und zuweilen entleeren sie ihre Excrete. Ichhabe einen Affen gesehen, der, als er gefangen wurde, beinahe imÜbermaße des Schrecks in Ohnmacht fiel.
Es ist nun in Bezug auf die Ausdrucksweise verschiedener Thiereeine hinreichende Zahl von Thatsaclien mitgetheilt worden. Unmög-lich kann man mit Sir Ch. Bell übereinstimmen, wenn er sagt 22 ,daß „die Gesichter der Thiere hauptsächlich fähig zu sein scheinen,Wutli und Furcht auszudrücken“, und ferner, wenn er sagt, daßalle ihre Ausdrucksweisen „mehr oder weniger deutlich entweder auf„ihre Willensacte oder ihre nothwendigen instinctiven Handlungen be-zogen werden können“. Wer einen Hund beobachtet, der sich vor-bereitet, einen andern Hund oder einen Menschen anzugreifen, unddann dasselbe Thier, wenn es seinen Herrn liebkost, oder wer denGesichtsausdruck eines Affen betrachtet, wenn er beleidigt, und dann,wenn er von seinem Herrn gehätschelt wird, wird zur Annahme ge-neigt sein, daß die Bewegungen ihrer Gesichtszüge und ihrer Ge-berden beinahe so ausdrucksvoll sind wie die des Menschen. Obgleichvon einigen der Ausdrucksformen hei niederen Thieren keine Erklärunggegeben werden kann, so ist doch die größere Zahl derselben inÜbereinstimmung mit den drei im Anfänge des ersten Oapitels an-geführten Principien erklärbar.
22 Anatomy of Expression, 3. edit. 1844, p. 138. 121.