128
Ausdruck des Leidens.
Cap. G.
Schreie ausgestoßen. Während sie in dieser Weise schreien, werdendie Augen fest geschlossen, so daß die Haut rings um sie gefaltetund die Stirn zu einem Runzeln zusammengezogen ist. Der Mundist weit geöffnet und die Lippen sind in einer eigenthümlichen Artund Weise zurückgezogen, was dem Munde eine viereckige Form gibt.Das Zahnfleisch oder die Zähne sind dabei mehr oder weniger exponirt.Der Athem wird beinahe krampfhaft eingezogen. Es ist leicht, kleineKinder während des Schreiens zu beobachten. Ich habe aber Photo-graphien, welche durch den Proceß des augenblicklichen Lichtbildensgemacht wurden, für das beste Mittel zur Beobachtung erkannt, dasie eine eingehendere Untersuchung gestatten. Ich habe zwölf davongesammelt, von denen die meisten ausdrücklich für mich angefertigtwurden. Sie bieten alle dieselben allgemeinen cliaracteristischen Mo-mente dar. Sechs von ihnen habe ich daher 1 (Tat. I) durch denProceß der Heliotypie reproduciren lassen.
Das feste Schließen der Augenlider und die in Folge davon ein-tretende Compression des Augapfels — und dies ist ein äußerst be-deutungsvolles Moment bei verschiedenen Ausdrucksformen — dienendazu, die Augen davor zu schützen, daß sie zu sehr mit Blut über-füllt werden, wie sofort im Detail erklärt werden soll. In Bezug aufdie Reihenfolge, in welcher sich die verschiedenen Muskeln zusammen-ziehen, um die Augen fest zusammenzudrücken, bin ich dem Dr. Lang-staff von Southampton für einige Beobachtungen, die ich seit derZeit wiederholt habe, zu Danke verpflichtet. Die beste Art, dieseOrdnung zu beobachten, ist: eine Person zuerst ihre Augenbrauenerheben (dies erzeugt Furchen quer über die ganze Stirne) und dannallmählich alle die Muskeln rund um das Auge mit soviel Kraft alsnur möglich zusammenziehen zu lassen. Der Leser, welcher mit derAnatomie des Gesichts nicht bekannt ist, sollte sich hier Seite 20und 21 mit den Holzschnitten 1—3 ansehen. Die Augenbrauenrunzler,Corrugatores supercilii, scheinen die ersten Muskeln zu sein,welche sich zusammenziehen; sie ziehen die Augenbrauen nach untenund innen der Basis der Nase zu und verursachen senkrechte Furchen,d. li. also ein Stirnrunzeln, welches zwischen den Augenbrauen er-scheint; zu derselben Zeit verursachen sie das Verschwinden der über
1 Die besten Photographien in meiner Sammlung sind die von Mr. Rej-lander, Yictoria Street, London, und von Herrn Kindermann in Hamburg.Die Figuren 1, 3, 4 u. 6 sind von dem ersteren, Fig. 2 u. 5 von dem letzteren.Fig. 6 ist gegeben worden, um das mäßige Weinen bei einem älteren Kinde zuzeigen.