der größeren und furchtbareren Raubthiere zu schaffen macht, wenndiese das Angstgeschrei ihrer Jungen hören. Wuth führt zur heftigenAnstrengung aller Muskeln mit Einschluß derer der Stimme; undeinige Thiere versuchen, wenn sie in Wuth gerathen sind, ihre Feindedurch deren Kraft und Mildheit in Schrecken zu versetzen, wie esder Löwe durch Brüllen und der Hund durch Knurren thut. Ichglaube deshalb, daß ihr Zweck hierbei der ist, Schrecken einzujagen,weil zu gleicher Zeit der Löwe sein Mähnenhaar, der Hund das Haarseinem Rücken entlang aufrichtet und sie sich dadurch so groß undso schrecklich aussehend machen wie nur möglich. RivalisirendeMännchen versuchen durch ihre Stimmen sich einander zu überbietenund einander herauszufordern; und dies führt zu Kämpfen auf Todund Leben. Hierdurch wird der Gebrauch der Stimme mit der Er-regung des Zorns, auf welche Weise er auch veranlaßt worden seinmag, associirt worden sein. Wir haben auch gesehen, daß intensiveSchmerzen gleich der Wuth zu heftigem Aufschreien führen; dieAnstrengung des Schreies gibt an und für sich etwas Erleichterung.Hierdurch wird der Gebrauch der Stimme mit Leiden jedweder Art.associirt worden sein.
Die Ursache, warum sehr verschiedene Laute bei verschiedenenGemiithsbewegungen und Empfindungen geäußert werden, ist ein sehrdunkler Gegenstand. Auch, gilt die Regel nicht immer, daß irgendeine ausgesprochene Verschiedenheit besteht. So weicht z. B. beimHunde das Bellen vor Zorn nicht sehr von dem Bellen vor Freudeab, obschon beide unterschieden werden können. Es ist nicht wahr-scheinlich, daß irgend eine genaue Erklärung der Ursache oder derQuelle jedes besonderen Lautes unter verschiedenen Seelenzuständenjemals gegeben werden wird. Wir wissen, daß einige Thiere, nach-dem sie domesticirt worden sind, die Gewohnheit erlangt haben, Lauteauszustoßen, die ihnen nicht natürlich waren 1 . So haben domesti-cirte Hunde und selbst gezähmte Schakals zu bellen gelernt, was einLaut ist, der keiner Species der Gattung eigen ist, mit Ausnahmedes Ccmis latrans von Nord-America, welcher bellen soll. Auch habeneinige Rassen der domesticirten Tauben in einer neuen und eigen-thiimlichen Art und Weise zu girren gelernt.
Der Character der menschlichen Stimme unter dem Einflüsse ver-schiedener Seelenerregungen ist von Herhert Spencer in seinem inter-
1 s. die Belege hierüber in meinem „Variiren der Thiere und Pflanzen imZustande der Domestication“ 2. Aufl. Bd. 1. S. 29. Über das Girren der Taubenebenda, Bd. I. S. 172.