■Cap. 3.
Directe Wirkung des Nervensystems.
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Muskeln des Gesichts im Zustande großen Leidens ebenso wie inFolge anderer Seelenerregungen betrifft, so werden diese am bestenbetrachtet werden, wenn wir von den speciellen Ausdrucksformendes Menschen und der niederen Thiere bandeln.
Wir wollen uns nun zu den characteristischen Symptomen derWuth wenden. Unter dem Kinflusse dieser mächtigen Erregung istdie Thätigkeit des Herzens bedeutend beschleunigt 9 oder kann auchsehr gestört sein. Las Gesiebt ist gerüthet oder es wird purpurn inFolge des verhinderten Rückflusses des Blutes oder kann auch todten-bleich werden. Die Respiration ist beschwerlich; die Brust hebt sichmühsam und die erweiterten Nasenlöcher zittern. Häufig zittert derganze Körper. Die Stimme ist afficirt; die Zähne sind fest zusammen-geklemmt oder knirschen und das Muskelsystem ist gewöhnlich zuheftiger, beinahe tobsüchtiger Thätigkeit angeregt. Aber die Geberdeneines Menschen in diesem Zustande weichen gewöhnlich von denzwecklosen Wendungen und Kämpfen eines vom wüthendsten SchmerzGeplagten ab; denn sie stellen mehr oder weniger deutlich die Hand-lung des Kämpfens oder Sichherumschlageiis mit einem Feinde dar.
Alle diese Zeichen der Wuth sind wahrscheinlich zum großenTheile, und einige von ihnen scheinen es gänzlich zu sein, Folgender directen Einwirkung des erregten Sensoriums. Aber Thiere allerArten und früher ihre Urerzeuger haben, wenn sie von einem Feindeangegriffen oder bedroht wurden, ihre Kräfte bis zum Äußersten imKämpfen und im Vertheidigen angestrengt. Wenn ein Thier nichtso handelt, oder nicht die Absicht oder wenigstens die Begierde hat,seinen Feind anzugreifen, so kann man nicht im eigentlichen Sinnesagen, daß es in Wuth geratlien sei. Eine vererbte Gewohnheit derMuskelanstrengung wird hierdurch in Association mit Wuth erlangtworden sein; und dies wird direct oder indirect verschiedene Organenahezu in derselben Weise afficiren, wie es große körperliche Lei-den thun.
Ohne Zweifel wird das Herz gleicherweise in einer directen Artafficirt werden. Es wird aber auch aller Wahrscheinlichkeit nachdurch Gewohnheit beeinflußt werden und letzteres um so mehr, als•es nicht unter Controle des Willens stellt. Wir wissen, daß jedwede
u Ich bin Mr. A. H. Garrod sehr verbunden dafür, daß er mich auf Lo-rain’s Buch über den Puls aufmerksam gemacht hat, in welchem ein Sphygmo-gramm eines rasenden Weibes mitgetheilt wird; dasselbe zeigt bedeutende Ver-schiedenheiten in der Schnelligkeit und anderen Merkmalen des Pulses derselbenFrau in gesundem Zustande.
Dauwin, Ausdruck. 4. Auflage. (VII.) 5