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Allgemeine Gesetze des Ausdrucks.
Cap. 3.
Wenn Matrosen gepeitscht werden sollen, so nehmen sie zuweilenein Stück Blei in ihren Mund, um es mit äußerster Kraft zu beißenund so den Schmerz zu ertragen. Kreißende Frauen bereiten sichdarauf vor, ihre Muskeln bis zum Äußersten anzustrengen, um ihreSchmerzen dadurch zu erleichtern.
Wir sehen hieraus, daß die nicht besonders geleitete Ausstrahlungvon Nervenlcraft von den zuerst afficirt gewesenen Nervenzellen, —die lang fortgesetzte Gewohnheit, in heftigem Kampfe den Versuchzu machen, der Ursache des Leidens zu entfliehen — und das Be-wußtsein, daß willkürliche Anstrengung der Muskeln den Schmerzerleichtert, daß alles dies wahrscheinlich sich vereinigt hat, die Neigungzu den heftigsten beinahe convulsivisclien Bewegungen im Zustandeäußersten Leidens herbeizuführen: und derartige Bewegungen mitEinschluß derer der Stimmorgane werden ganz allgemein als im hohenGrade ausdrucksvoll für diesen Zustand anerkannt.
Da die bloße Berührung eines Empfindungsnerven in einerdirecten Weise auf das Herz zurückwirkt, so wird offenbar auch hef-tiger Schmerz in gleicher Weise aber noch weit energischer auf das-selbe zurückwirken. Nichtsdestoweniger dürfen wir selbst in diesemFalle die indirecte Einwirkung der Gewohnheit auf das Herz nichtübersehen, wie wir später noch sehen werden, wenn wir die Zeichender Wuth betrachten.
Wenn ein Mann in einer Agonie von Schmerz leidet, so rieseltihm häufig der Schweiß das Gesicht herab; und mir hat ein Veterinär-arzt versichert, daß er häufig gesehen habe, wie bei Pferden dieTropfen von dem Bauche herabfallen und die Innenseite der Schenkelherabrinnen, ebenso an dem Körper der Rinder, wenn diese heftigleiden. Er hat dies beobachtet, als gar kein heftiges Sträuben vor-handen war, welches die starke Hautthätigkeit erklären könnte. Derganze Körper des oben erwähnten weiblichen Hi/ppopotamm war,während er seine Jungen gebar, mit roth gefärbtem Schweiße be-deckt. Dasselbe tritt auch bei äußerster Furcht ein. Der genannteThierarzt hat häufig Pferde aus diesem Grunde schwitzen sehen; das-selbe hat Mr. Baktlett beim Rhinoceros gesehen, und bei dem Men-schen ist es ein bekanntes Symptom. Die Ursache der in diesenFällen hervorbrechenden Transpiration ist vollkommen dunkel. ManchePhysiologen glauben aber, daß sie mit einer Schwäche des capillarenKreislaufs zusammenhängt, und wir wissen allerdings, daß das vaso-motorische System, welches den capillaren Kreislauf regulirt, bedeu-tend von der Seele beeinflußt wird. Was die Bewegungen gewisser