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Allgemeine Gesetze des Ausdrucks.
Cap. 3.
Wenn ein Empfindungsnerv gereizt wird, so überliefert er einengewissen Reiz der Nervenzelle, von welcher er ausgeht, und diesegibt ihren Reiz wieder zuerst an die entsprechende Nervenzelle derentgegengesetzten Körperseite und dann auf- und abwärts dem cere-brospinalen Nervenstränge entlang an andere Nervenzellen, und zwarin größerer oder geringer Ausdehnung je nach der Stärke des ur-sprünglichen Reizes, so daß zuletzt das ganze Nervensystem afficirtwerden kann 0 . Diese unwillkürliche Überlieferung von Nervenkraftkann mit vollständigem Rewußtsein erfolgen oder auch ohne dasselbe.Warum die Erregung einer Nervenzelle Nervenkraft erzeugt oder frei-macht , ist nicht bekannt; aber daß dies der Fall ist, scheint eineFolgerung zu sein, zu welcher die sämmtlichen bedeutenderen Phy-siologen, wie Johannes Müller, Virchow, Bernard u. s. w. 6 gelangtsind. Mr. Herbert Spencer bemerkt, daß man es als „eine gar nicht„weiter fragliche Wahrheit annehmen kann, daß die in irgend einem„Augenblicke vorhandene Quantität freigewordener Nervenkraft, welche„in einer nicht weiter erforschbaren Weise in uns den Zustand her-„ vorruft, den wir Fühlen nennen, sich in irgend einer Richtung aus-„dehnen muß und eine gleich große Offenbarung von Kraft irgendwo„anders erzeugen muß“, so daß, wenn das Cerebrospinalsystem heftiggereizt und Nervenkraft im Überschuß frei gemacht wird, letzteresich in heftigen Empfindungen, lebendigem Denken, heftigen Beweg-ungen oder vermehrter Thätigkeit der Drüsen ausbreiten kann 5 6 7 . Mr.Spencer behauptet ferner, daß „ein von keinem Beweggründe be-sonders geleiteter Überschuß an Nervenkraft offenbar zunächst die„am meisten gewohnheitsgemäßen Wege einsclilagen und, wenn diese„nicht hinreichen, in die weniger gewohnheitsgemäßen überfließen„werde“. Folglich werden die Gesichts- und Athmungsmuskeln,welche die am meisten gebrauchten sind, geneigt sein, zuerst inThätigkeit versetzt zu werden, dann diejenigen der oberen Extremi-
5 s. über diesen Gegenstand Claude Bernard, Tissus vivants. 1866,p. 316, 337, 358. Virchow drückt sich fast genau ebenso darüber aus in seinerAbhandlung „Über das Rückenmark“ (Sammlung wissenschaftlicher Vorträge1871, S. 28).
6 Joh. Müller sagt bei Schilderung der Nerventhätigkeit: „Jeder schnelle„Übergang in den Zuständen der Seele ist im Stande eine Entladung zu be-wirken“ (Handbuch der Physiol. Bd. 2 S. 89). s. Virchow und Bernardüber denselben Gegenstand an Stellen der in der vorigen Anmerkung erwähntenW erke.
7 H. Spencer, Essays, Scientific, Political etc. Second Series, 1863,p. 109, 111.