ßQ Allgemeine Gesetze des Ausdrucks. Cap. 3.
ich für mehrere der angeführten Thatsachen verbunden hin, theilt mirmit, daß der Gegenstand ein sehr dunkler ist. Da Zittern häufigdurch Wutli veranlaßt wird, lange vorher, ehe Erschöpfung eintritt,und da es zuweilen große Freude begleitet, so möchte es fast schei-nen, als ob jede starke Erregung des Nervensystems den stätigenFluß der Nervenkraft zu den Muskeln unterbräche 2 .
Die Art und Weise, in welcher die Absonderung des Nahrungs-canals und gewisser Drüsen, so der Leber, der Nieren oder der Milch-drüsen, durch heftige Gemüthserregungen afficirt werden, ist einanderes ausgezeichnetes Beispiel für die directe Einwirkung des Sen-soriums auf diese Organe und zwar unabhängig vom Willen oder vonirgend einer nutzbaren associirten Gewohnheit. Es besteht die größteVerschiedenheit bei verschiedenen Personen in den Theilen, welcheauf diese Weise afficirt werden, und in dem Grade ihrer Affection.
Das' Herz, welches ununterbrochen Tag und Nacht in einer sowunderbaren Weise fortschlägt, ist für äußere Reize äußerst em-pfindlich. Der bekannte Pliysiolog Claude Bebnabd hat gezeigt 3 , wiedie geringste Reizung eines Empfindungsnerven auf das Herz ein-wirkt, und zwar selbst dann, wenn ein Nerv so schwach berührt wor-den ist, daß von dem Tliiere, an welchem experimentirt wird, unmög-lich ein Schmerz empfunden werden konnte. Wir dürfen daher er-warten, daß, wenn die Seele heftig erregt wird, sie augenblicklich ineiner directen Weise das Herz afficirt, und dies wird auch ganz all-gemein anerkannt und von Allen gefühlt. Claude Beknaed hebt auchwiederholt hervor, und dies verdient besondere Beachtung, daß, wenndas Herz afficirt wird, es auf das Gehirn zurückwirkt : andererseitswirkt aber der Zustand des Gehirns wieder durch den herumschwei-fenden Nerven auf das Herz zurück, so daß bei jeder Erregung einelebhafte wechselseitige Wirkung und Rückwirkung zwischen diesenbeiden bedeutungsvollsten Organen des Körpers besteht.
Das vasomotorische System, welches den Durchmesser derkleinen Arterien regulirt, wird vom Sensorimn direct beeinflußt, wieman sehen kann, wenn ein Mensch vor Scham erröthet. Ich glaubeaber, daß in diesem letztem Falle die gehemmte Fortleitung derNervenkraft zu den Gefäßen des Gesichts theilweise in einer merk-würdigen Art durch Gewohnheit erklärt werden kann. Wir werden
2 Joh. Müller bemerkt (Handbuch der Physiologie des Menschen, Bd. 2,S. 92): „Bei stärkeren Gemiithsbewegungen verbreitet sich die Wirkung auf alle„Bückenmarksnerven bis zur unvollkommenen Lähmung und zum Zittern.“
3 Legons sur les Prop. des Tissus vivants. 1866, p. 457—466.