56 Allgemeine Gesetze des Ausdrucks. Cap. 2.
sie gewußt hätten, daß diese Bewegungen in einem directen Gegen-sätze zu denen stehen, welche sie in einer entgegengesetzten undhösen Stimmung ausführen.
Wenn ferner eine Katze, oder vielmehr wenn irgend ein früherUrerzeuger der Species im Gefühle einer zuneigungsvollen Stimmungzuerst seinen Rücken leicht gekrümmt, seinen Schwanz senkrechtnach oben gehalten und seine Ohren gespitzt hat, kann man wohlglauben, daß das Thier mit vollem Bewußtsein gewünscht habe, da-mit zu zeigen, daß sein Seelenzustand der directe Gegensatz vondem sei, wo es in fertiger Bereitschaft zum Kampfe oder auf seineBeute einzuspringen eine kriechende Stellung einnahm, seinen Schwanzvon einer Seite zur andern krümmte und seine Ohren herabdrückte?Selbst noch weniger kann ich glauben, daß mein Hund seine nieder-geschlagene Haltung und sein „Gewächshaus-Gesicht“ mit Willenanlegte, eine Haltung, welche einen so vollkommenen Contrast zuseiner frühem gemüthlichen Stimmung und ganzen Haltung bildete.Es kann nicht angenommen werden, daß er gewußt habe, ich würdeseinen Ausdruck verstehen und er könne damit mein Herz er-weichen und mich zum Aufgeben des Besuchs des Gewächshausesveranlassen.
Es muß daher in Bezug auf die Entwicklung der Bewegungen,welche unter die vorliegende Kategorie gehören, noch irgend einanderes, vom Willen und Bewußtsein verschiedenes Princip thätiggewesen sein. Dies Princip scheint im Folgenden zu bestehen: jedeBewegung, welche wir unser ganzes Leben hindurch willkürlichausgeführt haben, hat die Thätigkeit gewisser Muskeln erfordert;und wenn wir eine direct entgegengesetzte Bewegung ausgeführthaben, so ist beständig eine entgegengesetzte Gruppe von Muskelnin Thätigkeit gekommen, — wie beim Drehen nach rechts oder nachlinks, im Fortstoßen eines Gegenstandes von uns weg oder im Heran-ziehen desselben zu uns her, und beim Heben und Senken einerLast. Unsere Intentionen und Bewegungen sind so stark mit ein-ander associirt, daß, wenn wir recht eifrig wünschen, daß sich einGegenstand in irgend einer Richtung bewegen möchte, wir es kaumvermeiden können, unsern Körper in derselben Richtung zu bewegen,obgleich wir uns dessen vollkommen bewußt sein mögen, daß dieskeinen Einfluß haben kann. Eine gute Erläuterung hievon ist bereitsin der Einleitung gegeben worden, nämlich in den grotesken Be-wegungen eines jungen und eifrigen Billard-Spielers, wenn er denLauf seines Balles verfolgt. Wenn ein Erwachsener, oder auch ein