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Allgemeine Gesetze des Ausdrucks.
Cap. 1.
Die Zusammenziehung der Regenbogenhaut, sobald die Netzhautdurch ein helles Licht gereizt wird, ist ein anderes Beispiel einer Be-wegung, welche, wie es scheint, unmöglich zuerst willkürlich aus-geführt und dann durch Gewohnheit fixirt worden ist; denn die Irissteht, soviel bekannt ist, bei keinem Thiere unter der bewußtenControle des Willens. In derartigen Fällen muß irgend ein von derGewohnheit vollständig verschiedener Erklärungsgrund noch entdecktwerden. Das Ausstrahlen von Nor Yenkraft aus heftig erregten Nerven-zellen auf andere mit diesen in Zusammenhang stehende Zellen, wiein dem Falle, wo ein helles auf die Netzhaut treffendes Licht einNiesen veranlaßt, kann uns vielleicht bei dem Verständnis des Lir-sprungs mancher Reflexbewegungen unterstützen. Ein Ausstrahlenvon Nervenkraft dieser Art, wenn es eine Bewegung verursacht, diedie ursprüngliche Erregung zu mildern strebt — wie in dem Falle,wo die Zusammenziehung der Regenbogenhaut es verhindert, daß zuviel Licht auf die Netzhaut fällt — dürfte später mit Vorthoil be-nutzt und für diesen speciellen Zweck modificirt worden sein.
Es verdient ferner Beachtung, daß Reflexbewegungen aller Wahr-scheinlichkeit nach unbedeutenden Abänderungen unterworfen sind,ebenso wie alle körperliche Bildungen und Instincte; und alle dieAbänderungen, welche wohlthätig oder von hinreichender Wichtigkeitwaren, werden danach gestrebt haben, erhalten und vererbt zu werden.So können Reflexhandlungen, wenn sie einmal für den einen Zweckerlangt wurden, später unabhängig von dem Willen oder der Gewohn-heit modificirt werden, so daß sie nun einem bestimmten anderenZwecke dienen. Derartige Fälle würden denjenigen parallel sein,welche, wie wir allen Grund zu glauben haben, bei vielen Instincteneingetreten sind; denn obschon manche Instincte einfach durch lang-fortgesetzte und vererbte Gewohnheit entwickelt worden sind, so habensich andere in hohem Grade complicirte Instincte durch die Erhaltungvon Abänderungen schon früher bestehender entwickelt, d. h. durchnatürliche Zuchtwahl.
Ich habe die Erwerbung von Reflexhandlungen in ziemlicher Aus-führlichkeit, wie ich aber wohl fühle, immer noch in einer sehr un-vollkommenen Weise erörtert, weil sie häufig im Zusammenhänge mitBewegungen, die für unsere Seelenerregungen ausdruckvoll sind, mitin’s Spiel kommen; es war auch notliwendig zu zeigen, daß minde-stens einige von ihnen ursprünglich durch den Willenseinfluß erlangtworden sind, um eine Begierde zu befriedigen oder eine unangenehmeEmpfindung zu erleichtern.
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