Cap. 1.
Reflexthätigkeiten.
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treten, welche ursprünglich durch den Willen in uns diese Handlungenerregten. In solchen Fällen erregen die empfindenden Nervenzellendie motorischen Zellen, ohne erst mit denjenigen Zellen zu commu-niciren, von welchen unser Bewußtsein und unser Wille abhängt.Wahrscheinlich wurde das Niesen und Husten ursprünglich durchdie Gewohnheit erlangt, jedes reizende Theilchen so heftig als mög-lich aus dem empfindlichen Luftwege auszustoßen. Was das Momentder Zeit betrifft, so ist davon mehr als hinreichend vergangen, daßdiese Gewohnheiten zu eingebornen oder in Reflexhandlungen um-gewandelt wurden. Denn sie sind den meisten oder allen höherenSäugethieren gemeinsam und müssen daher zuerst in einer sehr weitzurückliegenden Zeit erlangt worden sein. Warum der Act desRäusperns keine Reflexhandlung ist und von unseren Kindern gelerntwerden muß, kann ich nicht behaupten, erklären zu können. Wirkönnen aber einsehen, warum das Schnauben mit dem Taschentuchegelernt werden muß.
Es ist kaum glaublich, daß die Bewegungen eines kopflosenFrosches, wenn er einen Tropfen Säure oder irgend einen andernGegenstand von seinem Schenkel uregwischt, — welche Bewegungenfür den speciellen Zweck so gut coordinirt sind, — anfangs nichtwillkürlich ausgeführt sein sollten, während sie später durch lang-fortgesetzte Gewohnheit so leicht gemacht wurden, daß sie zuletztohne Bewußtsein oder unabhängig von den Hemisphären des Gehirnsausgeführt werden.
So scheint es ferner wahrscheinlich zu sein, daß das Zusammen-fahren ursprünglich durch die Gewohnheit erlangt wurde, so schnellals möglich der Gefahr durch einen Sprung zu entgehen, so oft nurirgend einer unserer Sinne uns eine Warnung davor zukommen ließ.Wie wir gesehen haben, wird das Zusammenfahren von einem Blinkenmit den Augenlidern begleitet, so daß die Augen, die zartesten undempfindlichsten Organe des Körpers, geschützt werden, und wie ichglaube, wird es immer von einem plötzlichen und kräftigen Einathmenbegleitet, was die naturgemäße Vorbereitung für jede heftige An-strengung ist. Wenn aber ein Mensch oder ein Pferd zusammen-schreckt, so schlägt sein Herz gegen seine Rippen, und hier habenwir, wie man in Wahrheit sagen kann, ein Organ, welches nie-mals unter der Controle des Willens gestanden hat und doch anden allgemeinen Reflexbewegungen des Körpers theilnimmt. In-dessen werde ich auf diesen Punkt in späteren Capiteln noch zurück-kommen.
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