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Allgemeine Gesetze des Ausdrucks.
Cap. r.
die Gefahr eine wirkliche ist oder nicht. Nach einem einmaligenheftigen Scheuwerden, wenn das Pferd erregt ist vmd das Blut reich-lich durch das Gehirn fließt, ist es sehr geneigt, von Neuem zusammen-zufahren; dasselbe gilt, wie ich bemerkt habe, für kleine Kinder.
Ein Zusammenfahren in Folge eines plötzlichen Geräusches, woalso der Reiz durch die Gehörnerven vermittelt wird, wird bei er-wachsenen Personen immer von einem Blinken der Augenlider be-gleitet 13 . Indessen habe ich beobachtet, daß meine Kinder, obschonsie bei plötzlichen Geräuschen zusammenfuhren, wenn sie unter vier-zehn Tage alt waren, sicherlich nicht immer mit den Augen blinkten:und, wie ich glaube, thaten sie dies niemals. Das Zusammenfalireneines älteren Kindes stellt dem Anscheine nach ein unbestimmtesGreifen nach irgend Etwas dar, um das Fallen zu verhüten. Ichschüttelte eine Pappschachtel dicht vor den Augen eines meinerKinder, als es 114 Tage alt war, und es blinkte nicht im Aller-geringsten. Als ich aber ein wenig Confect in die Schachtel that,sie in derselben Stellung wie vorher hielt, und mit jenem raschelte,,so blinkte das Kind jedesmal heftig mit den Augen und fuhr einwenig zusammen. Offenbar war es unmöglich, daß ein sorgfältiggehütetes Kind durch Erfahrung gelernt haben könnte, daß ein ra-schelndes Geräusch in der Nähe seiner Augen eine Gefahr anzeigte.Eine solche Erfahrung wird aber im späteren Alter während einerlangen Reihe von Generationen erlangt worden sein, und nach dem,was wir von der Vererbung wissen, liegt darin nichts Unwahrschein-liches, daß eine Gewohnheit den Nachkommen zu einem früherenAlter vererbt wird, als zu dem, in welchem sie zuerst von den Elternerlangt wurde.
Nach den vorstehenden Bemerkungen erscheint es wahrschein-lich, daß einige Handlungen, welche anfangs mit Bewußtsein aus-geführt wurden, durch Gewohnheit und Association in Reflexhand-lungen umgewandelt worden und jetzt so fest fixirt sind und vererbtwerden, daß sie ausgeführt werden, selbst wenn nicht der geringsteNutzen damit verbunden ist 14 , so oft nur dieselben Ursachen ein-
13 J. Müller bemerkt (Handbuch der Physiologie des Menschen, Engl.Übers. II. Bd. S. 1311', daß das Zusammenschrecken immer von einem Ver-schließen der Augenlider begleitet werde.
14 Dr. M aud sley bemerkt (Body and Mind, p. 10), daß „Reflexbewegungen,„welche gewöhnlich einen nützlichen Dienst leisten, unter den veränderten Um-,,ständen einer Krankheit sehr viel Schaden anrichten und seihst die Gelegenheits-„ursache heftigen Leidens und eines sehr schmerzvollen Todes werden können.“